Die Zukunft in der Glaskugel

Glas als Werkstoff? Gibt’s überall, aber er wird oft einfach übersehen. Wer durchs Fenster guckt, interessiert sich in der Regel mehr dafür, was er draußen sieht, und der Inhalt eines Trinkglases ist den meisten wichtiger, als das Gefäß selbst. Das finden wir sehr schade. Deshalb haben wir uns aufgemacht nach Südthüringen zur Elias Glashütte ­ Farbglashütte Lauscha, wo Glasprodukte noch ganz traditionell von Hand hergestellt werden. Zum Beispiel von René, einem echten Fachmann für Glaskugeln und Co.

Glasmacher (m/w/d)

Über Rene und seine Arbeit

René ist der Hüttenmeister der Elias Glashütte ­ Farbglashütte Lauscha und er ist gelernter Glas macher.

Er kam damals, das ist schon über 20 Jahre her, aber eher zufällig auf diesen Beruf. „Eigentlich wollte ich KFZ­Mechatroniker werden und hatte auch schon eine Stelle in Aussicht. Das hat dann aber leider doch nicht geklappt – was sich im Nachhinein aber als glückliche Fügung he­rausstellte. In der Glashütte war noch ein Ausbildungsplatz frei. Ich wollte et­was Handwerkliches machen, da passte das auch und ich bin da mit der Zeit richtig reingewachsen.“

Als dann ein paar Jahre später für den alten Hüttenmeister ein Nach folger gesucht wurde,

hat René die Chance genutzt, seinen Meister gemacht undnachdem er ein paar Jahre als Stellvertreter mitlief, den Posten schließlichkomplett übernommen. „Als Meister bekommt man noch viele organisatori­sche und verwaltende Aufgaben. Ich kümmere mich zum Beispiel um denArbeitsplan, den Material ein satz, den Einkauf und um die Aus bildung. Das zu­sammen mit dem Handwerk ergibt für mich ein tolles Gesamtpaket.“ Ganzweg von der praktischen Arbeit möchte René nämlich nicht, deshalb steht er auch immer noch regelmäßig mit der Glaspfeife am Ofen.

Mit der Glasmacherpfeife entnimmt René direkt aus dem Ofen dann eine Portion zähflüssiges Glas und formt daraus zunächst eine Art Kugel, den Köbel.

„Man muss schnell sein. Das Glas kann nur geformt werden, solange es flüssig ist, aber solange es flüssig ist, verformt es sich durch die Schwerkraft von allein“, erklärt er und passt dabei auf, dass er die Pfeife schnell genug und dennoch gleichmäßig dreht. Und er fängt an, vorsichtig Luft hinein zu blasen, wie bei einem Luftballon. „Für die Teile, die eine feste Vorgabe haben, wie die Weingläser beispielsweise, haben wir Werkzeuge und Formen, in die wir das Glas hineinblasen. Aber wir arbeiten auch viel frei Hand. Dafür das richtige Gefühl zu bekommen, erfordert schon eine Menge Übung und gerade am Anfang muss man sehr viel Geduld haben – und Ausdauer.“ Das Ganze sei nämlich auch körperlich nicht ohne.

„An der Glasmacherpfeife können bis zu zehn Kilo Gewicht hängen. Wer mal ausprobieren möchte, wie sich das unge­fähr anfühlt, kann einfach mal ein paar volle Wasserflaschen an einen Besen ­stiel hängen und den Stiel dann anheben.“ Wenn René sein Glas in die Form gebracht hat, die es am Ende haben soll, wird es von der Pfeife abgetrennt und über mehrere Stunden auf der Kühlbahn langsam abgekühlt. Danach geht’s zur Veredelung, wo zum Beispiel Ränder abgeschliffen und verschmol­zen werden.

Diese Glaspfeife ist das wichtigste Arbeitsgerät eines Glasmachers.

„Wir pro­duzieren hier noch sehr traditionell und stellen auch das Gemenge selbst her. Man kann auch mit vorgefertigten Nuggets oder Pellets arbeiten, aber wir mi­schen lieber noch selbst, das hat auch den Vorteil, dass wir das Glas noch rich­tig einfärben können.“ Das Gemenge besteht aus Quarzsand, Soda, Pottasche und Kalk und wird eingeschmolzen. Das ist ein Prozess, der mehrere Stunden dauert, und das, obwohl der Ofen bis zu 1.500 Grad heiß ist.

Der Glasmacherberuf ist zwar in erster Linie ein Handwerk, aber er bietet auch die Möglichkeit, künstlerisch tätig zu werden.

Wie sehr, das hängt von der jeweiligen Glashütte ab. „Die meisten Hütten haben sich auf bestimmte Produkte spezialisiert. Wir hier haben die Tableware wie Wasserkrüge und Trinkgläser aus Thüringer Waldglas, den Weihnachtsbaumschmuck und die Rosenkugeln. Außerdem stellen wir auch die Glasstäbe, quasi die Rohware, für die Glasbläser her. Als Azubi lernt man das alles. Das ist nicht immer so kreativ­schöpferisch. Dafür haben wir zweimal im Jahr eine Künstlerwoche. Da kann dann jeder seine eigenen Ideen umsetzen, seinen persönlichen Stil finden und auch mal richtig ausgefallene Sachen ausprobieren.“

Spaß daran, Dinge auszuprobieren sei übrigens eine der Grundvoraussetzungen für diesen Beruf. „Man kann alles was zu diesem Handwerk gehört, lernen, man muss nur wirklich wollen.“

Die Theorieausbildung der Glasmacherazubis gibts in der Berufsschule in Ilmenau.

„Das sind insgesamt zwölf Wochen in jedem Lehrjahr, in denen es vor allem um den Werkstoff Glas und seine Verarbeitung geht. Dazu kommen Fachzeichnen und Fachrechnen – letzteres braucht man zum Beispiel zum Berechnen der Mischungen für das Gemenge und der Kühl­ und Viskositätskurven.“

Worum gehts?

Glasmacher stellen verschiedene Glasprodukte her durch Mund ­blasen und mit der Hand oder mittels vollautomatischer Maschinen.

Dauer: 3 Jahre

Voraussetzungen:

Glasmacher sollten körperlich fit und belastbar sein, eine gut ausgebildete Feinmotorik, Ausdauer und Geduld haben. Außerdem brauchen sie ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen, handwerkliches Geschick und eine gute Hand­-Auge­-Koordination.

Chancen:

Nach ihrer Ausbildung arbeiten Glasmacher in Betrieben der Glasindustrie, in Glashütten oder in Recyclingbetrieben. Sie kön­nen sich zum Meister oder Techniker weiterbilden oder ein Studium anschließen, zum Beispiel in der Richtung Glastechnik.

Gelernte Glasmacher können natürlich in den Glashütten arbeiten und viel­leicht selbst eines Tages einen Hüttenmeister beerben.

„Man hat aber auch die Möglichkeit, in die maschinelle Fertigung zu gehen und dort zum Beispiel den Industriemeister zu machen. Auch ein Studium im Bereich Glasingenieur oder Produktdesign ist möglich, das bietet spätere Tätigkeiten in Forschung und Entwicklung.“ René ist und bleibt aber ein Fan des traditionellen Hand ­werks. „Ich bin inzwischen so sehr mit meiner Glashütte verbunden, es steckt so viel Herzblut drin, ich habe hier meine Erfüllung gefunden.“ (mü)

Fotos: Andreas Greiner­-Napp, Elias Glashütte

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