Als Allrounderin im Einsatz

Eigentlich interessierte sich Paula (18) eher für einen künstlerischen Beruf, doch dann kam sie auf einer Berufsmesse mit einem technischen Ausbilder ins Gespräch. „Ich erzählte ihm, dass ich gern einen abwechslungsreichen Beruf hätte, bei dem ich richtig etwas machen kann und nicht den ganzen Tag im Büro sitze. Er hat vorgeschlagen, Industriemechanikerin zu werden und ich war schnell überzeugt davon, dass das zu mir passt.“ Inzwischen ist Paula schon im zweiten Lehrjahr ihrer Ausbildung bei der Böhm Fertigungstechnik in Zella-Mehlis und mit ihrer Berufswahl immer noch sehr zufrieden.

Industriemechaniker (m/w/d)

Über Paula

Als Industriemechanikerin hat Paula viele verschiedene Arbeitsbereiche.​

„Ich bin überall dabei und auch ein bisschen Konstruktionsmechanikerin und  Zerspanerin, denn meine Hauptaufgabe ist zwar das Zusammenbauen und Instandhalten der Maschinen, aber ich kann die Teile, die ich dafür brauche, selbst herstellen und die Maschinen auch bedienen.“

Neben technischem Verständnis ist für Paulas Arbeit vor allem handwerkliches Geschick gefragt. Die Ausbildung beginnt in der Lehrwerkstatt mit den handwerklichen Grundfertigkeiten wie Drehen, Bohren und Fräsen. „Ich arbeite hauptsächlich mit Metall, aber auch den Umgang mit Kunststoff habe ich schon geübt. Jeder Werkstoff hat andere Eigenschaften und man braucht ein bisschen Erfahrung, zum Beispiel um abschätzen zu können, mit welcher Drehzahl man bohren muss, damit das Material nicht überhitzt.“ Außerdem sollte man immer sehr konzentriert bei der Arbeit sein. „Zum einen, um sich nicht zu verletzen, und zum anderen, um keinen Werkstoff zu verschwenden. Wir haben zwar Zeit und Ruhe zum Üben, arbeiten dabei aber auch schon an den ‚echten‘ Teilen, die dann in der Produktion gebraucht werden.“ 

Worum gehts?

Industriemechaniker stellen Geräteteile und Baugruppen für Maschinen und Produktionsanlagen her, sind für die Überwachung von Fertigungsprozessen verantwortlich und übernehmen Wartungs­- und Reparaturaufgaben.

Foto: privat

Dauer: 3,5 Jahre

Chancen:

Nach einigen Jahren Berufserfahrung
können Techniker­ oder Meisterprüfung ablegt werden. Auch ein Studium ist möglich, wenn die Hochschulzugangsberechtigung vorhanden ist.

Voraussetzungen:

In diesem Beruf sind vor allem
handwerkliches Geschick und technisches
Verständnis wichtig. Außerdem sind Beobachtungsgenauigkeit, Sorgfalt und genaues Arbeiten wichtig sowie gute Mathekenntnisse und ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen.

Bis auf die Instandhaltung hat sie bereits alle Abteilungen, in denen sie als Industriemechanikerin zum Einsatz kommen kann, kennengelernt.

„Bis jetzt hat alles Spaß gemacht – nur das reine Bedienen der Maschinen, wenn ich mal eine Woche lang an einer Baugruppe  arbeiten muss, mache ich nicht so gern.“ Andererseits verstehe sie so die Maschinen auch noch ein bisschen besser, und das sei gerade am Anfang hilfreich.

„Ich bin froh, dass ich auf diesen Beruf gebracht wurde.

„Er macht mir sehr viel Spaß, bietet sehr viele Einsatzmöglichkeiten und ich kann mich auch noch auf unterschiedlichen Wegen weiterbilden. Zur Meisterin zum Beispiel. Das würde ich später gern machen, aber erst, wenn ich noch ein paar Jahre praktische Berufserfahrung gesammelt habe.“ Und dass es nun doch kein künstlerischer Beruf geworden ist? „Das ist vollkommen okay. Es gibt auch hier die ein oder andere Sache, bei der ich mal ein bisschen kreativ werden kann, und alles andere hebe mir einfach für mein Hobby auf.“

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
In der Berufsschule geht es vor allem um Werkstoff­ und Maschinenkunde.

Dazu kommen technisches Zeichen und Mathe. Das braucht sie dann auch in der Praxis. Paula bekommt zwar die fertigen Pläne mit den genauen Vorgaben der Maße, die die Bauteile am Ende haben müssen. „Aber ich muss selbst ausrechnen können, wie groß das Ursprungsteil sein muss, damit es nach dem Biegen auch die richtigen Maße hat. Denn genau darauf kommt es an: Das Teil muss später in der Maschine exakt sitzen.“ Dass Paula in der Berufsschule und auch im Unternehmen fast ausschließlich männliche Kollegen hat, stört sie nicht.

„Ich muss aber zugeben, dass ich mir darüber anfangs schon Gedanken gemacht hatte. Aber das war im Nachhinein wirklich unbegründet. Ich wurde überall toll aufgenommen und fühle mich sehr wohl.“ Die Arbeit erledigen kann sie als Frau genauso gut wie die Männer. „Wenn es um größere und schwerere Teile geht, bieten die Kollegen aber auch immer gleich Hilfe an. Das liegt aber nicht nur daran, dass ich eine Frau bin.“ Teamfähigkeit sei grundsätzlich wichtig. (mü)

 

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