Läuft wieder – dank Maßarbeit

Orthopädietechnik­-Mechaniker ist kein sehr geläufiger Beruf. Auch Anne kam nur zufällig durch einen Bericht im Radio darauf. „Ich hatte lange überlegt, was ich beruflich machen möchte. Ich wollte nicht im Büro sitzen, mit Menschen arbeiten, aber auch praktisch­handwerklich tätig sein. Da klang Orthopädietechnikmechanikerin für mich sehr spannend. Bei einem Schülerpraktikum habe ich dann gemerkt, dass ich in diesem Beruf wirklich das alles miteinander vereinen kann – und es hat mir gleich richtig viel Spaß gemacht.

Orthopädietechnik-Mechaniker (m/w/d)

Worum gehts?

Orthopädietechnik­-Mechaniker beraten Patienten, stellen orthopädietechnische Hilfsmittel wie künstliche Gliedmaßen, Schienen, Bandagen und Gehhilfen her und passen sie an.

Dauer: 3 Jahre

Voraussetzungen:

Freude am Umgang mit Menschen, Einfühlungsvermögen und keine Berührungsängste zu haben, ist mindestens genauso wichtig, wie handwerkliches Geschick und Interesse an medizinischen Zusammenhängen und technisches Verständnis.

Chancen:

Orthopädietechnik­-Mechaniker können sich auf einzelne Bereiche wie Teilgebiete der Prothetik spezialisieren, sich zum Meister weiterbilden und damit den Grundstein für die Selbstständigkeit legen, oder sich zum Betriebsassistent im Handwerk weiterqualifizieren.

Anne an ihrem Arbeitsplatz. Foto: Manuela Müller

Anne berichtet uns über ihre Ausbildung:

„Viele denken, man baut einfach nur Einlagen, aber da gehört so viel mehr dazu“, erzählt Anne.

„Wir stellen Prothesen, also künstliche Gliedmaßen, und Orthesen, das sind Hilfsmittel wie Schienen, her. Aber auch zum Beispiel Korsetts und Helme.“

Annes Ausbildung dauert drei Jahre.

Sie startete mit einem Grundlehrgang der Metallbearbeitung. „So bekommt man erstmal ein Gefühl für das Handwerk. Jedes Stück, das wir herstellen, ist ein handgefertigtes Einzelstück. Deshalb gehört zu meiner Arbeit, dass ich erstmal am Patienten einen Gipsabdruck nehme. Für ein Korsett zum Beispiel muss ich den ganzen Oberkörper abgipsen.“ Dabei kommt Anne den Menschen natürlich sehr nah. „Das kostet am Anfang schon Überwindung. Aber es wird mit jedem Mal leichter. Auch, weil ich inzwischen besser weiß, wie ich den Patienten miteinbeziehe, ihm erkläre, was ich tue und dafür sorge, dass auch er sich weniger unwohl fühlt. Gerade dieser persönliche Umgang macht mir an meiner Arbeit schließlich besonders viel Spaß.“

Zurück in der Werkstatt gießt Anne den Abdruck dann aus und stellt ein Modell des Körperteils her.

„Daran passe ich dann die Orthese an. Meine Hauptarbeitsmittel sind Kunststoff, Carbon und Polstermaterial – viele Teile bekomme ich als Rohmaterial, den Kunststoff zum Beispiel als Platten, die ich dann bearbeite und forme. Ich arbeite an Maschinen, aber auch viel von Hand. Bei den Kollegen sieht das immer so einfach aus, bis man aber selbst den Dreh raus hat, braucht es viel Übung.“ Dabei ist es wichtig, ganz genau zu arbeiten. „Wenn eine Schiene Druckstellen und Schmerzen verursacht, dann wird der Patient sie nicht nutzen.“

Worauf sie achten muss, lernt Anne auch in der Berufsschule.

„Wir haben unter anderem in den Lernfeldern Inhalte zu Anatomie, Pathologie, Prothetik und Orthetik zu den orthopädischen Versorgungen. Wir müssen uns mit dem ganzen Körper auskennen, das ist schon sehr viel. Aber ich weiß, wie wichtig das für die Arbeit ist, deshalb fällt mir das Lernen nicht schwer.“

Anne interessiert sich besonders für den Bereich Orthetik.

„Aber ich lerne natürlich auch, wie ich Prothesen baue, vorgefertigte Teile bearbeite und wie ich mit technischen und elektronischen Komponenten umgehe, wie sie zum Beispiel in elektronisch gesteuerten Prothesen vorkommen.“ Auch an einem therapeutischen Helm für Kleinkinder habe sie schon mitgearbeitet. Außerdem kommen auch immer mal wieder neue Materialien dazu, wie Leder zum Beispiel. „Und schließlich gehören auch Beratung und Verkauf zu meinen Aufgaben.“

Neben den handwerklichen Tätigkeiten, die man einfach üben müsse, sei das Menschliche ein wichtiger Aspekt.

„Man kommt den Menschen nicht nur körperlich nah, sondern erfährt auch viel über sie. Das nimmt einen schon manchmal mit. Aber es ist auch schön, wenn man weiß, dass man helfen kann.Dieser Beruf ist wirklich sehr abwechslungsreich und für mich eben genau die richtige Mischung aus mit Menschen arbeiten und Handwerk.“ (mü)

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