Leben mit dem Tod

Der Tod ist für viele Menschen ein Thema, über das sie lieber nicht reden; an das sie lieber gar nicht denken, ein Tabu eben. Für die 24-jährige Anja und den 30-jährigen Falko dagegen gehört der Tod zum alltäglichen Leben. Sie haben sich für den Beruf der Bestattungsfachkraft entschieden. Sie erleben den Tod als etwas, was zwar sehr traurig ist, aber eben dazugehört und sie machen ihre Arbeit gern.

Bestattungsfachkraft (m/w/d)

Worum geht’s?

Bestattungsfachkräfte organisieren Beisetzungen, Bestattungen und Trauerfeiern, betreuen Angehörige und kümmern sich um anfallende
Formalitäten.

Dauer: 3 Jahre

Voraussetzungen:

psychische Belastbarkeit, Einfühlungsvermögen, Feingefühl, Verständnis, Geduld, Verschwiegenheit, Interesse an kaufmännisch-organisatorischen Aufgaben, Sinn für Ästhetik

Chancen:

Neben verschiedenen Spezialisierungen, zum Beispiel im Bereich Umweltschutztechnik, Thanatologie oder Management, sind Meister oder Fachwirt möglich, ebenso der Schritt in die Selbstständigkeit.

Foto: auremar – stock.adobe.com

Wie man auf diesen doch eher nicht alltäglichen Beruf kommt?

Wie man auf diesen doch eher nicht alltäglichen Beruf kommt? „Ich bin durch einen persönlichen Trauerfall auf diesen Beruf aufmerksam geworden und hab mich danach mal informiert, was da eigentlich alles dazu gehört. Es ist viel umfassender als man denkt, so macht auch die Betriebswirtschaft einen großen Teil aus“, erzählt Falko, der nach seinem Studium der Betriebswirtschaft noch einmal „neu“ anfing und jetzt im dritten Lehrjahr der Ausbildung zur Bestattungsfachkraft ist.

Anja hingegen kann sich gar nicht mehr erinnern, warum genau sie dieser Beruf so fasziniert:

„Ich wusste schon früh, dass ich diese Ausbildung machen möchte. Allerdings klappte das nicht gleich nach der Schule. Ich war 17 Jahre alt und man sagte mir, ich sei noch zu jung. Deshalb habe ich erstmal eine Lehre zum Garten- und Landschaftsgestalter gemacht. Damit konnte ich auch beim Bestatter etwas anfangen.“ Im Anschluss daran bekam sie schließlich die lang ersehnte Stelle bei der Bestattungsinstitut Gotha GmbH.

Anja hat auch diese Ausbildung inzwischen abgeschlossen und arbeitet nun seit 2 Jahren als Bestattungsfachkraft.

 „Meine Eltern hatten da anfangs schon Bedenken, aber sie sehen nun, wie gut mir mein Beruf gefällt und stehen hinter mir.“ Im Bekanntenkreis stieß sie nicht immer auf so viel Verständnis. „Für einige ist es schwer zu akzeptieren, dass man tatsächlich mit toten Menschen zu tun hat.“ Oft seien die Leute aber auch wahnsinnig neugierig, weiß auch Falko. „Viele denken aber, wir legen einfach nur Verstorbene in einen Sarg und bringen sie zum Friedhof. Dabei haben wir noch so viel mehr zu tun.“

„Das fängt natürlich schon beim Sarg an“, erklärt Anja.

„Wir sind zum Beispiel auch in der Lage, einen Sarg selbst mit Stoff auszuschlagen, Griffe und Füße anzubringen oder ihn für Überführungen vorzubereiten.“ Dafür brauche man etwa auch handwerkliches Geschick sowie betriebswirtschaftliches Wissen, wenn es um Kosten und Rechnungen geht.

Trotzdem steht die Arbeit mit dem Menschen im Vordergrund, und zwar nicht nur mit dem Verstorbenen.

„Wenn das Bestattungsinstitut mit der Abholung eines Verstorbenen beauftragt wird, fahren immer drei Bestattungsfachkräfte gemeinsam los“, erzählt Falko. „Wir müssen uns dann erstmal den Totenschein ansehen und entscheiden, ob wir ihn mitnehmen dürfen.“ Es gibt strenge Vorschriften, an die sie sich dabei halten müssen. Neben der Todesursache spielt der Infektionsschutz eine große Rolle. „Wenn jemand an einer ansteckenden Krankheit litt, müssen wir bestimmte Vorsichtsmaßnahmen zur Desinfektion treffen.“

„Während sich zwei von uns um den Verstorbenen kümmern und ihn in den Sarg betten, ist einer auch immer für die Hinterbliebenen da“, erklärt Anja. 

„Die wichtigste Aufgabe ist, die ersten Emotionen abzufangen. Man nimmt sich die Zeit, die die Angehörigen brauchen und beantwortet schon erste Fragen zur Organisation. Zum Beispiel, welche Dokumente für die Beurkundung beim Standesamt gebraucht werden.“ Dafür brauche man auf jeden Fall viel Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl. Und man müsse natürlich auch selbst mit dem Thema Tod umgehen können.
Auch wenn Anja und Falko nun schon seit einigen Jahren dabei sind, gibt es immer wieder Fälle, die auch den beiden besonders an die Nieren gehen. „Wenn ältere Menschen sterben, kommt man damit besser klar, die haben ihr Leben gelebt. Aber wenn es um Kinder geht, dann ist das nicht so einfach“, erzählt Anja. „Uns hilft es, wenn wir dann im Nachhinein miteinander darüber reden können.“

Ansonsten gewöhne man sich aber schon daran, täglich mit Verstorbenen zu tun zu haben.

„Es klingt vielleicht erstmal unverständlich, aber dieser Beruf hat gerade dabei auch schöne Seiten. Ich mag es besonders, wenn ich die Verstorbenen gewaschen und wieder hergerichtet habe. Sie sehen dann so aus, als würden sie ganz friedlich schlafen und die Hinterbliebenen können sich angemessen verabschieden. Man merkt oft, wie viel man damit für sie tun kann.“

Anja hat dabei übrigens oft noch mit einem ganz anderen Problem zu kämpfen.

„Viele erwarten, dass ein Bestatter ein Mann ist. Wenn dann eine junge Frau kommt, sind manche zwar auch positiv überrascht, aber immer wieder treffe ich auch auf große Skepsis. Dann muss ich erstmal beweisen, dass ich was kann.“ Zum Beispiel bei der Organisation der Trauerfeier. „Auch das gehört zu unserer Arbeit. Man bespricht mit den Angehörigen die Art der Bestattung und berät, wenn noch irgendwo Hilfe gebraucht wird.“ Dazu müsse man sich selbst natürlich damit auskennen.

„Die Theorie, die hinter dem Beruf Bestattungsfachkraft steckt, ist nicht zu unterschätzen“, findet Falko.

Er besucht regelmäßig die Berufsschule in Bad Kissingen – jetzt im dritten Lehrjahr noch einmal für insgesamt neun Wochen. „Man lernt dort alles über Bestattungsverträge, Materialien, Dienstleistungen, die zum Beruf gehören, wie man Bestattungen und Trauerfeiern plant, Dekoration und Ausstattung, Kommunikation, Psychologie, welche Hygienerichtlinien man einhalten muss, welche Gesetze wofür gelten, Pflanzenkunde, Bepflanzung, wie Friedhöfe verwaltet werden und auch, was zur Führung eine Bestattungsunternehmens aus betriebswirtschaftlicher Sicht dazu gehört.“

Zusätzlich finden überbetriebliche Lehrgänge im Bundesausbildungszentrum der Bestatter in Münnerstadt statt.

Dort gibt es Hygieneräume, eine Werkstatt, IT-Arbeitsplätze und den weltweit einzigartigen Lehrfriedhof. Anja erklärt: „Ein Bestatter kann im Alltag ja nicht wirklich üben, das wäre einfach zu pietätlos. Dafür fahren wir dann nach Münnerstadt. Dort lernen wir typische Handgriffe, etwa zum Umbetten oder auch mit dem Bagger ein Grab auszuheben und einen Sarg hinabzulassen, das wäre auf einem richtigen Friedhof auch nicht sehr respektvoll. Außerdem gibt es auch eine Art Kapelle, in der das Dekorieren geübt werden kann, sowie Seminare zu Trauergesprächen.“ Die seien im Alltag später immer eine besondere Herausforderung. „Man muss viel Menschenkenntnis besitzen und sehen, was der Gegenüber jetzt gerade braucht. Natürlich hilft einem da mit der Zeit die Erfahrung. Aber man muss psychisch belastbar und sehr empathisch sein.“

Übrigens: In einem Bestattungsunternehmen darf auch mal gelacht werden.

„Das muss sogar manch mal sein. Natürlich nur, wenn es nicht unangemessen ist, aber wir sind ja auch nur Menschen und können nicht den ganzen Tag mit ernster Miene herumlaufen.“

Bestatter haben zwar feste Arbeitszeiten, aber sie müssen im Trauerfall auch mal nach Dienstschluss oder in der Nacht los.

Wir haben regelmäßig Bereitschaftsdienst, wo wir dann 24 Stunden lang erreichbar sein müssen. Außerdem finden viele Trauerfeiern an Samstagen satt, aber das stört mich nicht“, meint Anja und auch für Falko ist das kein Problem. „Dafür gibt es dann an anderer Stelle ja einen Freizeitausgleich.“

Für Anja und Falko steht fest, sie haben zwar einen Beruf, der nicht alltäglich und auch nicht für jeden geeignet, für sie aber ein sehr schöner ist.

Beide wollen auch auf jeden Fall weiter als Bestattungsfachkraft arbeiten. Es gäbe verschiedene Weiterbildungsmöglichkeiten. „Als Thanatopraktiker zum Beispiel“, erklärt Anja. „Da geht es ums Einbalsamieren, was für Rekonstruktionen und Überführungen ins Ausland wichtig ist, das wäre für mich noch sehr interessant. (mü)

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