KiG-Starterin

Wer sich ein Bein bricht oder wegen einer Blinddarm-OP im Krankenhaus landet, beschäftigt nicht nur Pflegepersonal und Ärzte, sondern auch die Menschen, die in der Verwaltung im Hintergrund arbeiten. So wie die Kaufleute im Gesundheitswesen zum Beispiel. Die sind unter anderem dafür verantwortlich, dass die Kosten für Behandlungen und Krankenhausaufenthalte von den Krankenversicherungen abgerechnet werden. Die 20-jährige Jennifer, angehende „KiG“ bei der AOK Plus in Suhl, weiß, „dass das für manche erstmal nicht so spannend klingt. Aber wenn man sich für medizinische Hintergründe und wirtschaftliche Zusammenhänge interessiert, ist das ein toller Beruf mit viel Abwechslung“.

Kaufleute im Gesundheitswesen (m/w/d)

Aufgaben

Kaufleute im Gesundheitswesen planen und organisieren Geschäfts- und Leistungsprozesse, entwickeln Dienstleistungsangebote und übernehmen das Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen.

Dauer: 3 Jahre

Voraussetzungen:

Interesse an kaufmännischen Tätigkeiten und gesundheitlichen Themen, gutes sprachliches Aus drucksvermögen, Sorgfalt, Verantwortungsbewusstsein, Verschwiegenheit, serviceorientiertes Arbeiten

Chancen:

Kaufleute im Gesundheitswesen können sich auf Fachbereiche wie Finanz- und Rechnungswesen oder Steuerwesen spezialisieren oder weiterbilden zum Betriebswirt oder Fachkaufmann für Marketing, Geschäfts- und Finanzbuchführung.

KiG-Starterin. Foto: Manuela Müller

Wenn es mit dem Traumberuf nicht auf Anhieb klappt, dann kann man aufgeben.

Oder eben nicht, so wie Jennifer. Sie bewarb sich nach Realschul ab schluss als Kauffrau im Gesundheitswesen, bestand aber damals den Auswahltest nicht. „Deshalb habe ich dann erst einmal noch mein Abitur gemacht, in der Fachrichtung Gesundheit und Soziales, und mich danach wieder beworben.“ Im zweiten Anlauf meisterte sie nicht nur den ersten Test, sondern überzeugte anschließend auch im Assessment-Center und Bewerbungsgespräch. Das war vor eineinhalb Jahren. Heute ist Jennifer im zweiten Lehrjahr und steht kurz vor ihrer Zwischenprüfung. „Ich bin froh, dass ich die Mühe noch investiert habe, denn mein Beruf macht mir unheimlich viel Spaß.“

Als Azubi lernt Jennifer die verschiedenen Abteilungen der Krankenkasse kennen, wurde zu Beginn der Ausbildung aber einem festen Bereich zugeteilt.

„Es gibt zum Beispiel Pflege, Heilmittel und Hilfsmittel sowie den Bereich Krankenhäuser, wo ich hingekommen bin. Das ist, wie ich finde, ein sehr spannender Bereich und ich bin sehr glücklich damit.“ Jennifer bearbeitet hier die Krankenhausaufnahmen, Entlassungen und Leistungsbescheide. „Das heißt, wenn jemand in einem Krankenhaus behandelt wird oder wurde, bekomme ich von dort die Daten dazu. Dann prüfe ich, ob und wie der Patient bei uns versichert ist, sehe nach, welche Diagnosen gestellt wurden, welche Behandlungen es gab und welche Leistungsansprüche sich daraus ergeben.“ Ist alles in Ordnung, gibt sie es weiter zur Kostenübernahme. Wenn sich aber Unstimmigkeiten ergeben, zum Beispiel eine Behandlungsdauer nicht zur Diagnose passt, kann Jennifer ein Gutachten beim medizinischen Dienst in Auftrag geben.

Dann prüfen Ärzte, ob die Angaben plausibel sind. „Bei meiner Arbeit spielt die Erfahrung eine große Rolle. Kleinere Probleme kann ich inzwischen auch schon selbst klären, was ein tolles Gefühl ist, weil ich merke, wie ich mich weiterentwickelt habe.“ Da es sich bei Patientendaten um streng vertrauliche Informationen handelt, hat Jennifer als Auszubildende zunächst nur eingeschränkte Zugriffsrechte. „Außerdem geht es hier um sehr hohe Kostenbeträge, das ist eine Verantwortung, die man als Azubi noch nicht übernehmen kann. Das kommt erst nach und nach. Ab dem dritten Lehrjahr zum Beispiel habe ich dann die Zugriffsrechte, um Rechnungen zu bearbeiten.“

Jennifer lernt nicht nur während der Arbeit dazu, sondern natürlich auch in der Berufsschule.

Dazu fährt sie jeden Monat für mindestens eine Woche nach Weimar. Auf dem Stundenplan stehen unter anderem Wirtschafts, Rechts- und Gesundheitslehre. „Das ist schon anspruchsvoll, aber wenn man sich regelmäßig hinsetzt und lernt, klappt das, auch wenn man, wie ich, kein Mathegenie ist.“ Darüber hinaus gibt es bei der AOK Plus unternehmensinterne Schulungen, zum Beispiel zu Prüfsystemen, Computerprogrammen oder auch Kommunikationstraining. „Man hat in diesem Beruf nämlich nicht nur mit Akten, sondern auch sehr viel mit anderen Menschen zu tun, muss zum Beispiel viel telefonieren. Mir macht gerade das sehr viel Spaß.“ Jennifer möchte auch nach dem Ende der Ausbildung weiter in diesem Bereich arbeiten, erstmal als Fallmanagerin. „Mir sind aber auch Weiterbildungsmöglichkeiten sehr wichtig, ein duales Studium etwa könnte später noch etwas für mich sein.“ (mü)

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