Eine Frage der Erfahrung

„Es ist nichts, was man auswendig lernen kann, man braucht in diesem Beruf Erfahrung“, Georg macht seine Ausbildung zum Feinoptiker bei der Firma Carl Zeiss Jena GmbH. Hier lernt er alles rund um das Thema Glasverarbeitung. Ob Prismen oder Linsen für Fernrohre, Mikroskope, Teleskope oder auch Brillengläser: Georg lernt, wie sie anzufertigen sind. In der Thüringer Heimat, wo seine Großmutter lebt, sollte die Ausbildung unbedingt sein. Hier hat Georg seinen Angelverein und seine DDR-Motoren, an denen er in seiner Freizeit schraubt. Zum Wochenende hin fährt er zu seinen Eltern und seiner Freundin nach Bayern. Wie Georgs Ausbildung aussieht und welche Ziele er verfolgt, erzählt er jetzt:

berufskraftfahrer (m/w/d)

Worum gehts?

Du stellst mit viel Fingerspitzengefühl aus Glas Linsen für Kameras, Mikroskope, Brillen und Fernrohre her. Dabei lernst du mit deinen technischen Hilfsmitteln umzugehen und später eigenständig zu arbeiten. 

Dauer: 3,5 Jahre

Voraussetzungen:

Du solltest Spaß an Mathe und Physik haben. Handwerkliches Geschick solltest du mitbringen und Freude daran haben, die erlernten Kenntnisse aus der Schule zu vertiefen.

Chancen:

Nach der Ausbildung kannst du eine Weiterbildung zum Industriemeister machen. Wenn du Abitur hast, kannst du das Studium
der Laser- und Optotechnologie beginnen.

Foto: Zeiss

„Nach dem Abitur habe ich bewusst nach einer Ausbildung gesucht, weil ich erst etwas lernen wollte, bevor ich ein Studium antrete.

Im Internet habe ich nachgelesen, mit welchen Maschinen bei Carl Zeiss Jena GmbH gearbeitet wird und welche Ausbildungsschwerpunkte es gibt.“ Die ersten zwei Jahre der Praxisausbildung finden im Jenaer Bildungszentrum (JBZ) in Jena Göschwitz statt. Die Theorie lernen alle in der Berufsschule. Das Praktische, wie Schleifen, Polieren und Läppen, lernen sie im JBZ und im Betrieb. Alle zwei Wochen sind sie in der Schule, dann im Wechsel wieder im Betrieb. Während der Ausbildung erfährt Georg, welches Glas, Metall und welcher Kunststoff für Objekte wie eine Handykamera hergestellt werden. Heutzutage ist an Arbeit ohne Maschinen gar nicht mehr zu denken. So braucht auch der Feinoptiker Fach wissen über Maschinen, die Linsen, Prismen und Okulare (Bauteil eines optischen Systems). Trotzdem werden viele Einzelteile noch in Handarbeit angefertigt. Deshalb lernt Georg während der Ausbildung auch das Planen und Steuern von Arbeitsabläufen und das Qualitätsmanagement. Das sind die kaufmännischen Aspekte des Berufs.

Auf die Frage, was Georg am Beruf Feinoptiker interessiert, antwortet er:

„Die Serienfertigung. Das bedeutet beispielsweise das Polieren auf großen Pechschalen. Ich möchte später mal in die Hochleistungsoptik. Da bearbeite ich mit speziellen Maschinen die Uneben- und Rauheiten von großen Linsen, die in der Halbfertigung zum Einsatz kommen.“ Nach der Ausbildung können manche Feinoptiker besser Linsen schleifen oder polieren und andere können besser quadratische oder kugelförmige Flächen, Prismen oder Würfel herstellen. Dann ist die Frage, ob man besser händisch arbeiten kann oder lieber mit CNC-Polier-Maschinen Elemente herstellt. „Mich reizt es, Lösungen zu finden, bis etwas wieder funktioniert. Dabei muss ich mich genau konzentrieren, was eine meiner großen Stärken ist. Beim Angeln, meiner zweiten großen Leidenschaft, suche ich nicht nach Unebenheiten, sondern nach den größten Fischen – die fotografiere ich und dann dürfen sie wieder schwimmen gehen.“

Inzwischen ist Baris im dritten Lehrjahr und allein unterwegs.

Andererseits habe er dafür dann auch früher Feierabend. „Und zwar zuhause. Wir fahren hier in der Regel nur Tagestouren und sind nicht wie andere mehrere Tage am Stück unterwegs.“ Eine größere Herausforderung als Wetter- und Straßenverhältnisse seien beim Fahren übrigens die anderen Verkehrsteilnehmer. „Mit mehreren Tonnen Gewicht bin ich nicht so wendig und schnell wie ein Kleinwagen, und leider wird oft wenig Rücksicht genommen. Als LKW-Fahrer muss ich immer auch die Sicherheit der anderen im Blick haben. Und viele vergessen, dass wir ja letztlich für sie unterwegs sind, wenn sie schimpfen, weil sie nicht schnell genug an uns vorbeikommen.“

Bereits mit 14 Jahren hat Georg seinen Angelschein auf Lebenszeit erworben und engagiert sich heute in Angelvereinen für die Jugendförderung.

„Ich lerne die jüngeren Angler mit an. Wir pflegen die Ufer der Gewässer und bieten Kurse an, damit andere den Angelschein erreichen. Das ist unter anderem mein Ausgleich zur Arbeit!“

Georgs Tipps für zukünftige Feinoptiker:

„Es passiert jeden Tag etwas Neues. Man braucht Geduld, wenn mal nicht alles so klappt, wie es im Lehrbuch steht. Seine eigenen Erfahrungen sammeln ist wichtig. Es ist eine Herausforderung, Fehler an den Maschinen zu beheben und dann die Werkzeuge wieder neu einzustellen. Man lernt nie aus, das ist das Schöne an dem Berufsfeld.“

Georg ist mit Leidenschaft bei seiner Ausbildung als Feinoptiker dabei und steckt sich hohe Ziele: „Ich möchte nach der Ausbildung erstmal arbeiten und so schnell wie möglich die Weiterbildung zum Industriemeister machen. Danach kann ich mir das Studium der Laser- und Optotechnologie vorstellen.“ (em/ba)

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