USAuszeit!

Nach der Schule gleich weiter zum Studium an die Hochschule? Das geht natürlich. Aber so eine kleine Pause vom Lernalltag, mal ein bisschen was von der Welt sehen und andere Erfahrungen sammeln, das klingt auch ja nicht schlecht. Dachte sich zumindest die heute 22-jährige Theresa vor vier Jahren, kurz vor ihrem Abitur. Und wenn schon eine Auszeit, dann doch möglichst im Ausland! Und so saß sie kurz nach dem Schulabschluss im Flugzeug Richtung USA.

Au-Pair in den USA

Foto: AdobeStock

„Ich wusste, dass ich nicht gleich nach der Schule an die Uni, sondern erstmal weggehen und was anderes kennenlernen möchte“, erzählt Theresa.

Auf Berufsmessen hatte sie nach Möglichkeiten für Auslandsaufenthalte geschaut und dabei AIFS kennengelernt. Über diese Organisation gibt es verschiedene Möglichkeiten, eine Zeit im Ausland zu verbringen, unter anderem das Au-Pair-Jahr. „Da ich auch schon immer gern mit Kindern gearbeitet habe, war das für mich genau das Richtige.“ Auch ihr Wunschziel USA stand schnell fest. „Da wollte ich einfach immer schon mal hin.“

Außerdem hatte sich Theresa für ein besonderes Au-Pair-Programm entschieden. Das sogenannte EduCare.

„Da kommt man in eine Familie, in der die Kinder schon größer sind und zur Schule gehen. Man hat maximal eine dreißigstündige Arbeitswoche und so genügend Zeit, selbst noch die Schule oder das College zu besuchen. Normal sind sonst 40 Arbeitsstunden. Man verdient beim EduCare zwar auch weniger Geld, aber die Gasteltern beteiligen sich an den Studiengebühren, und die sind in den USA wirklich hoch.“

Zur Vorbereitung des Au-Pair-Jahres gibt es zunächst verschiedene Treffen der Organisation in Deutschland.

„Außerdem wird man, wenn man sich beworben hat, zu einem persönlichen Gespräch eingeladen, wo einem noch mal alles ganz genau erklärt und auch das Profil für die Bewerbung bei den Gasteltern besprochen wird. Man sollte für den gesamten Bewerbungsprozess schon etwas mehr Zeit einplanen. Man muss zum Beispiel nachweisen, dass man 200 Stunden Erfahrung in praktischer Kinderbetreuung hat. Ich konnte das über meine Schulpraktika in Kindergarten, Kinderheim und Sportverein. Auch Stunden in der eigenen Familie kann man einbringen, wenn man kleine Geschwister hat. Außerdem braucht man sogenannte Character-References. Das kann eine Beurteilung von einem Lehrer sein, die besagt, dass er einen für geeignet hält. Insgesamt hatte ich mir ein halbes Jahr für Bewerbung und Vorbereitung genommen, allerdings kam da auch noch das Abi dazu.“

Apropos Gasteltern. Ein Jahr in einer fremden Familie weit weg von zuhause. Was, wenn man sich da nicht wohl fühlt, wenn die Chemie nicht stimmt?

„Darüber hatte ich mir anfangs natürlich auch Gedanken gemacht. Aber man wird da nicht blind hingeschickt. Zunächst wird für das zukünftige Au Pair ein Profil erstellt, dafür muss man auch ein kleines Video hochladen. Die potenziellen Gastfamilien, die vorher selbst einen Bewerbungsprozess bei der Organisation durchlaufen mussten, gucken sich die Profile dann an und nehmen Kontakt auf, wenn man für sie als Au Pair in Frage kommt. Dann kann man sich per Mail und Skypen erstmal besser kennen lernen und entscheiden, ob es passt. Und selbst, wenn es dann später Probleme geben sollte, hat man die Möglichkeit, nochmal die Familie zu wechseln. Direkt vor Ort gibt es die Community Counselors, die als Ansprechpartner immer erreichbar sind. Sie kommen in den ersten Tagen auch in die Familie und schauen, ob alles läuft. Zudem organisieren sie regelmäßige Treffen mit den anderen Au Pairs, so dass man sich austauschen kann.“

Und dann gings schließlich los. Ab ins Flugzeug. Erster Stopp: New York.

„Dort gabs einen dreitägigen Einführungsworkshop, unter anderem mit Informationen zur amerikanischen Kultur und einem Erste-Hilfe-Kurs. Außerdem konnte man so schon andere Au Pairs kennenlernen. So weit weg von zuhause war das sehr hilfreich.“ Grundsätzlich sei es aber nicht schwer, Anschluss zu finden. „Gerade am Anfang gibt es natürlich mal Momente, in denen man sich etwas allein fühlt, aber das geht schnell vorbei.“ Dann flog Theresa weiternach Washington zu ihrer Gastfamilie.

Der Tagesablauf als Au Pair ist relativ streng festgelegt.

„Ich kam in eine Familie mit zwei Kindern, einem siebenjährigen Mädchen und einem 14-jährigen Jungen. Ich habe die Kinder morgens geweckt, ihnen Frühstück gemacht und die Kleine zum Bus gebracht, der Große ist allein losgegangen. Dann habe ich Zeit für meine Collegekurse gehabt. Man kann sich aus allem etwas raussuchen. Ich hatte mich unter anderem für Literatur, Fotografie und einen speziellen Kurs für Au Pairs – eine Travel-Class, bei dem man auch mal zusammen verreist – entschieden. Außerdem habe ich die Zeit vormittags auch genutzt, um mich mit Freunden zu treffen. Wenn die Kleine Schulschluss hatte, habe ich sie wieder vom Bus abgeholt. Nachmittags gibt es in den USA jede Menge Aktivitäten für die Kinder, Sportkurse zum Beispiel. Da habe ich sie dann hingebracht und wieder abgeholt. Wenn nichts anstand, haben wir zusammen Hausaufgaben gemacht oder uns zu Playdates mit anderen Kindern getroffen. Meine größte Herausforderung bei dem Ganzen war tatsächlich das Auto fahren. Die Straßen sind viel größer und viel voller als in Deutschland und es wird weniger Rücksicht genommen. Als ich da dann zurechtkam, war ich schon ein bisschen stolz auf mich.“

Wenn die Gasteltern nach Hause kamen, hatte Theresa Feierabend.

„Ich konnte meine Zeit frei nutzen, habe aber trotzdem viel zusammen mit der Familie gemacht. Wir haben oft gemeinsam gegessen und sind auch an den Wochenenden öfter zusammen weggefahren. Ich habe mich schon sehr wohl und gut eingebunden gefühlt. Natürlich habe ich meine Familie trotzdem vermisst. Wir haben viel geskypt, aber zu sehen, wie das Leben zuhause auch ohne mich einfach weiter geht, war schon ein bisschen komisch. Ich wusste ja aber, dass es nur für einen begrenzten Zeitraum ist. Daher hatte ich auch kein wirkliches Heimweh.“

Au Pairs haben zwei Wochen bezahlten Urlaub. Den könnte man natürlich auch für einen Besuch zuhause nutzen, allerdings muss man diese Flüge dann selbst bezahlen.

„Ich wollte auch lieber noch ein bisschen mehr von Amerika sehen und bin dort rumgereist. Da das Visum über die zwölf Monate Au Pair hinaus noch ein paar Wochen gültig ist, kann man auch diese Zeit noch mit Reisen verbringen.“

Zurück in Deutschland gab es für Theresa dann erstmal einen kleinen Kulturschock.

Ein Jahr ist doch eine richtig lange Zeit. Ich finde das trotzdem gut, weil man sich so richtig auf ein anderes Leben einlassen kann. Aber es gibt auch die Möglichkeit, nur ein halbes Jahr oder drei Monate als Au Pair ins Ausland zu gehen. Das wissen viele nicht. Ich finde, egal für wie lange, es ist auf jeden Fall eine gute Idee. Ich habe nicht nur viel Spaß gehabt und tolle Menschen kennengelernt, sondern mich auch persönlich weiterentwickelt. Ich bin viel selbstbewusster und selbstständiger geworden, habe rausgefunden, was ich gut kann und was ich nicht so gut kann.

Ihren weiteren beruflichen Weg habe die Zeit als Au Pair indirekt beeinflusst. „Es hat mich darin bestärkt, das zu tun, was ich möchte, unabhängig davon, was andere dazu sagen.“ (mü)

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