Recht von A bis Z

Bei Gerichten und Staatsanwaltschaften arbeiten Richter, Staatsanwälte, Rechtsanwälte und Notare, das ist allseits bekannt. Außerdem sind dort aber auch Rechtspfleger wie die 28-jährige Manuela beschäftigt. Sie steht kurz vor der Abschlussprüfung ihres dualen Studiums im gehobenen Justizdienst und ist bereit für den Aufgabenbereich von A wie Antragsaufnahmen bis Z wie Zwangsversteigerung.

Diplom-Rechtspflege

Foto: Kzenon – stock.adobe.com

Worum geht’s?

Rechtspfleger treffen in eigener Verantwortung gerichtliche Entscheidungen in den übertragenden Bereichen der freiwilligen und streitigen Gerichtsbarkeit.

Dauer:

3 Jahre duales Studium

Voraussetzungen:

Abitur oder Fachholschulreife sowie die deutsche Staats­bürgerschaft werden benötigt. Ebenso Verantwortungsbewusstsein, Zu­verlässigkeit, Entschluss­kraft sowie gutes Einfühlungs- und Ausdrucks­vermögen.

Chancen:

Abgeschlossen wird mit der Rechtspflegerprüfung als Laufbahnprüfung für den gehobenen Justizdienst. Im Anschluss erfolgt in der Regel die Ernennung in ein Beamtenverhältnis auf Probe mit Einsatzmöglichkeiten bei allen gerichten und Staatsanwahltschaften in Thüringen.

Mehr als nur Gesetze:

Rechtspflegerin als Traumberuf?

Manuela wollte eigentlich einen anderen Weg gehen: „Ich hatte nach dem Abitur studiert, Kunstgeschichte und angewandte Ethik, dann aber festgestellt, dass die Berufsaussichten in diesem Bereich nicht so gut sind und deshalb nach einer bodenständigeren Ausbildung gesucht.“ Eher zufällig stieß sie damals auf Rechtsanwaltsfachangestellte. „Ich hatte mich vorher gar nicht besonders für rechtliche Dinge interessiert, aber es einfach gewagt, und es hat mir gefallen. Während der Ausbildung habe ich dann auch den Beruf des Rechtspflegers kennengelernt und wusste: Das ist das Richtige für mich.“

Das Studium zum Diplom-Rechtspfleger im gehoben Justizdienst dauert insgesamt drei Jahre,

 in denen sich Studienphasen im Studienzentrum in Rotenburg an der Fulda und Praxiseinsätze bei verschiedenen Gerichten und Staatsanwaltschaften in Thüringen abwechseln. „Nach einem kurzen Einführungspraktikum am Amtsgericht begann gleich das erste Hauptstudium im Studienzentrum. Die theoretischen Grundlagen erlernte ich gemeinsam mit den hessischen Rechtspflegeranwärtern in Rotenburg an der Fulda. Anschließend konnte ich das theoretische Wissen im Praktikum am Amtsgericht Jena und bei der Staatsanwaltschaft Gera anwenden und vertiefen. Danach folgten das zweite Hauptstudium und ein weiterer Praxisabschnitt.“

Manuela, die inzwischen kurz vor der Abschlussprüfung steht, hat alle theoretischen und praktischen Studienabschnitte erfolgreich absolviert. 

Sie hat nach und nach die verschiedenen Bereiche, in denen ein Rechtspfleger eingesetzt werden kann, kennengelernt. „Dazu gehören zum Beispiel Insolvenzrecht, Familienrecht, Strafrecht und Nachlassrecht. Die Arbeit des Rechtspflegers ist wahnsinnig vielfältig. Man entscheidet über Grundbucheintragungen, eröffnet Testamente, überwacht Betreuungsangelegenheiten, leitet Gläubigerversammlungen oder Gerichtstermine zu Zwangsversteigerungen, entscheidet über Vollstreckungsanträge, kontrolliert die Vollstreckung rechtskräftig verhängter Strafen oder berechnet die Verfahrenskosten.“

 

Für so viele Einsatzbereiche braucht man natürlich auch jede Menge Hintergrundwissen, und das heißt hier:

Gesetze, Gesetze, Gesetze. Die Hauptarbeitsmittel der Rechtspfleger sind neben Akten und PC der „Schönfelder“ und der dazugehörige Ergänzungsband, zwei dicke rote Bücher, beide vollgepackt mit den wichtigsten Gesetzestexten. Manuela muss nicht alle Gesetzestexte auswendig lernen, aber sie muss wissen, wo sie stehen und sie anwenden können. Das Amtsdeutsch ist am Anfang für viele Studenten eine kleine Herausforderung, im Laufe des Studiums lernt man aber, immer besser damit umzugehen.

Je nachdem, in welcher Abteilung Manuela gerade arbeitet, hat sie bei Gericht auch sehr viel Kontakt zu Bürgern.

„Wenn es zum Beispiel um eine Zwangsvollstreckung geht oder ich jemanden in Nachlasssachen vor mir sitzen habe, der gerade einen geliebten Angehörigen verloren hat, ist das manchmal nicht so einfach.“ Spaß macht es ihr aber trotzdem. „Wichtig ist, dass man Einfühlungsvermögen hat und immer darauf achtet, was und vor allem wie man etwas sagt.“ Manuela fühlt sich in ihrem jetzigen Beruf so gut aufgehoben, dass sie auch nach ihrem Abschluss weiter bei Gericht arbeiten möchte. Als Landesbeamtin kann sie dabei thüringenweit bei Gerichten und Staatsanwaltschaften eingesetzt werden. „Da es so viele verschiedene Bereiche gibt, in denen ein Rechtspfleger arbeiten kann, wird mir ganz sicher nicht langweilig.“ (mü)

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