Gen Z spricht Klartext – Warum es wichtig ist, den Mund aufzumachen

Über die Generation Z wird viel gesprochen. Mit ihr dafür viel zu wenig.

 

WIYOU-Redakteur Chris im Gespräch mit Richard, Fabienne und Alexandra (v.l.n.r.). Fotos: Juliane Keith

Zu faul für eine 40-Stunden-Woche. Zu anspruchsvoll. Zu sensibel. Belastbarkeit? Angeblich Fehlanzeige. Doch wie viel davon stimmt wirklich? Und was ist einfach ein Klischee?

Bei der Veranstaltung Mittelstand.Next des Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) in der Messe Erfurt wurde genau das einmal auf den Tisch gebracht. Im Paneltalk „Gen Z spricht Klartext über Arbeit, Motivation und Erwartungen“, moderiert von WIYOU-Redakteur Chris Sommer-Blumenstein, erzählten drei junge Menschen aus ihrem Arbeitsalltag: Richard (25), Mitgründer eines Unternehmens aus Jena, Fabienne (25), ausgelernte Rettungssanitäterin und im ersten Lehrjahr zur Pflegefachkraft, und Alexandra (23), Dachdecker-Auszubildende kurz vor dem Abschluss.

Drei unterschiedliche Branchen. Drei unterschiedliche Lebenswege. Und trotzdem erstaunlich ähnliche Erfahrungen.

Wollen junge Menschen überhaupt noch arbeiten?

Ein Vorwurf kommt immer wieder: Die Gen Z wolle nicht mehr richtig arbeiten, schon gar keine 40 Stunden pro Woche. In Teilen stimmten die drei dem sogar zu.  „Teilzeit existiert im Handwerk eher auf dem Papier“, sagte Alexandra. „Aber auch bei uns gibt es Modelle, beispielsweise auf Montage, wo wir vier statt fünf Tage arbeiten und trotzdem 40 Stunden leisten. Das kann sehr schlauchen, wodurch die Arbeitsunfälle steigen. Da muss man sich die Frage stellen, ob das wirklich effizient ist.“

Fabienne sieht das für die Pflege ähnlich, bringt zusätzlich aber einen weiteren Punkt ins Spiel: „Auch in Anbetracht der politischen Debatte um das Thema Rente, wenn es denkbar ist, dass wir zehn bis 20 Jahre länger arbeiten müssen, ist es verständlich, wenn man sich die Arbeitsstunden bis dahin anders aufteilen möchte. Zumal das nicht bedeutet, dass man insgesamt weniger gearbeitet hat. Ich kann verstehen, dass nicht jeder 40 Stunden arbeiten möchte, wenn man Aufwand und Nutzen gegenüberstellt.“

Richards Perspektive ist eine etwas andere. Der 25-Jährige ist selbst Unternehmer, kein Angestellter. Umso weniger kann er das Klischee über die jüngere Generation nachvollziehen. „Ich war früher bei einem mittelständischen Unternehmen angestellt und da habe ich auch mehr auf die Arbeitszeit geschaut als jetzt, weil ich den halben Tag rumsaß und Leute um mich hatte, die mit der Vision, etwas zu bewegen, abgeschlossen hatten. Das demotiviert und zieht dich langfristig auch in diese Richtung. Ich hatte nach dem Studium auch ein sehr gutes Gehalt, habe aber den Sinn meiner Arbeit nicht gesehen, weshalb mich den Job gekündigt und mich ins Blaue gestürzt habe. Jetzt setze ich darauf, mehr zu arbeiten, um später einen größeren Output zu haben. Und das funktioniert nur, wenn man Vollgas gibt und dem Raster auch mal entbricht. Trotzdem ist ein medialer Trend festzustellen, der einem suggeriert, dass es scheinbar in die andere Richtung geht.“

Sinn und Teilhabe

Es kristallisierte sich schnell ein gemeinsamer Nenner heraus, nämlich der Wunsch danach, mitzugestalten. Die Grundlage dafür sei eine transparente Kommunikation. „Für mich ist das der wichtigste Faktor“, sagt Fabienne. „Wenn ich frage, warum wir etwas auf eine bestimmte Weise machen, dann nur, weil ich es auch verstehen will. Da hilft es mir nicht, wenn gesagt wird, dass wir das schon immer so machen.“

Natürlich gebe es auch Altersgenossen, die darauf weniger Wert legen und zufrieden damit sind, ihre Arbeit nach Vorgabe zu erledigen und pünktlich zuhause zu sein, sagt Alexandra. „Uns dreien, und ich denke auch vielen anderen in unserer Altersgruppe, reicht das aber nicht.“

Aus dem Publikum gab es Zustimmung für Panelgäste.

Im schlimmsten Fall werden Auszubildende oder junge Mitarbeitende zum Kaffee- oder Küchendienst verdonnert, da ihnen, direkt oder indirekt, die Kompetenz abgesprochen wird, wichtigere Aufgaben zu übernehmen. Für Richard ein No-Go. „Das ist, in der Regel, ein junger Mensch, der da ist, um etwas zu lernen. Je schneller ich demjenigen etwas beibringen kann, desto schnell kann er Aufgaben übernehmen und sich einbringen.“

Stattdessen werben viele Unternehmen mit anderen Benefits, vom Obstkorb bis zum Tischkicker oder Yoga-Kurs. Auch die Stichworte „familiäres Umfeld“ fallen in diesem Kontext häufiger. „Für mich ist es immer schwierig“, sagt Fabienne. „Dass man füreinander da ist, ist schön, aber in der Regel heißt das vor allem: Wir akzeptieren deine persönlichen Grenzen nicht.“

Kernkonflikt Kommunikation

Im Gespräch wurde deutlich, wo der Schuh drückt: Wenn junge Menschen sich einbringen wollen, werden sie durch steife Strukturen, mangelnde Kommunikation und festgefahrene Routinen oft daran gehindert. Wenn sie sich nicht einbringen wollen, wird ihnen unterstellt, dass sie arbeitsfaul und motivationslos seien.

Einen der Hauptgründe dafür sieht Alexandra im Umgang mit der eigenen Gesundheit. „Unsere Generation hat angefangen, die Psyche mehr wertzuschätzen und zu hinterfragen, was uns guttut und was nicht. Wir haben die Möglichkeit, Therapie wahrzunehmen, um beispielsweise Burnout vorzubeugen und zu bekämpfen. Das gab es so früher nicht, weshalb wir oft zu hören bekommen, dass andere da auch durchmussten. Dieses Argument reicht aus meiner Sicht aber nicht aus, da es dazu führt, dass solche Debatten schnell einseitig verlaufen und unser Ziel eigentlich sein sollte, dass wir alle respektvoll miteinander umgehen.“

Eine Lose-Lose-Situation also? Nicht unbedingt, denn aus dem Publikum, das aus Unternehmerinnen und Unternehmern, Personalverantwortlichen und Führungskräften bestand, gab es Zuspruch für Richard, Fabienne und Alexandra. Die drei wurden für ihre Offenheit und Reflexion gelobt, was beweist, dass diese Themen auch in Unternehmen bereits bekannt sind, aber nicht deutlich genug zur Sprache kommen. Es lohnt sich also, den Mund aufzumachen und den Diskurs zu suchen.

Wer Fragen stellt, Erwartungen formuliert oder Probleme anspricht, sorgt dafür, dass sich etwas verändern kann. Das ist nicht immer leicht, aber für beide Seiten notwendig. Denn die Arbeitswelt von morgen entsteht nicht irgendwann in der Zukunft, sondern jetzt gerade, durch dich.

Oder anders gesagt: Wenn du willst, dass auf Arbeit „alles schick“ ist, dann sag auch, was noch nicht schick ist. Und verschaff dir Gehör.

Share This