Freiwilliges Soziales Jahr: Denk­mal­pfle­ge

Je nach deiner Einsatzstelle hast du unterschiedliche Aufgaben. Du kannst dich entscheiden, ob du in der Archä­ologie, Restau­rie­rung, Landschafts­archi­tektur oder im Archiv arbeiten möchtest.

Dauer: meistens 12 Monate

 

FSJ in der Denkmalpflege
In diesem Bereich solltest du handwerkliches Geschick mitbringen, denn deine Einsatzstelle ist beispielsweise ein Handwerksbetrieb, Restaurator, eine Denkmalpfle­gebehörde oder ein Mu­seum. Hier erhältst du spannende Einblicke in den Denkmalschutz. Fotos: Sandra Böhm

FSJ Denkmalpflege: Geschichte zum Anfassen

Alte Schätze ausgraben, sie wieder zusammensetzen und ihre Geschichte für die Zukunft er­halten. Das – und noch viel mehr – kannst du im Freiwilligen Sozialen Jahr in der Denk­mal­pfle­ge machen.

Helena und Theresa sind gerade mitten in ihrem FSJ und normalerweise in unterschied­lichen Be­rei­chen unterwegs. „Ich arbeite in der archäologischen Abteilung und bin ei­gentlich meist auf Grabungen. Es sei denn, es ist gerade Winterpause. Da bin ich mit in der Werk­statt tätig“, sagt Helena.

Denkmalpflege ist nicht gleich Denkmalpflege

Theresa arbeitet in der Restaurierungswerkstatt, die an das Mu­seum für Ur- und Früh­geschichte Thüringens in Weimar angegliedert ist: „Das heißt, ich kriege die Objekte, die ge­funden werden. Die werden aufgearbeitet, restauriert und dann auch konserviert. Manches da­von kommt ins Museum, anderes kommt ins Magazin – also in die Sammlung von allem, was in Thüringen gefunden wird.“

Jugendbauhütten sind die erste Anlaufstelle für das FSJ

Beide wussten nicht so ganz, was sie nach ihrem Fachabitur und Abitur machen wollten und ha­ben sich online nach Möglichkeiten umgesehen, ein FSJ zu machen. Dabei sind sie auf die Ju­gendbauhütte Mühlhausen gestoßen, über die thüringenweit die FSJ-Stellen in der Denk­mal­pflege vergeben werden.

Helena: „Das hat mich sofort angesprochen, da ich ge­schicht­li­ches Interesse habe.“ Theresa ging es ähnlich. Sie findet sowohl Architektur als auch Ge­schich­te und Kunstgeschichte spannend. „Und ich finde Restaurierung interes­sant. Das ist aber so vieles. Ich wusste nicht, was ich davon studieren möchte. Also wollte ich erstmal ein FSJ machen“, erzählt sie.

Mit Fingerspitzengefühl Schicht für Schicht abtragen

Die Ausgrabungen, bei denen Helena meistens ist, laufen tatsächlich so ähnlich ab, wie man es aus Filmen und Serien kennt. Mit Schaufel, Spaten und Kellen legt sie Stück für Stück die Er­de frei. Findet sie etwas, wird das Fundstück erstmal in der Erde gelassen, um al­les Wich­tige zu dokumentieren. Dann wird der Gegenstand meist im Block geborgen.

„Auf den Gra­bun­gen, auf denen ich bisher war, haben wir tatsächlich recht viel gefunden. Das ist aber na­tür­lich nicht garantiert“, so die 18-jährige Erfurterin. „Was man in Mittel­thü­ringen viel findet, ist Ke­ramik. Wenn die Fundstücke geborgen werden, wird darauf geach­tet, dass man sie vor­sich­tig herausnimmt und gut verpackt.“ Dafür gebe es Richtlinien. Bei Ke­ra­mik werde auf eine trock­ene Lagerung geachtet, während bei Holz wichtig sei, dass die Feuchtigkeit im Objekt blei­be.

In der Restaurierungswerkstatt den Feinschliff vornehmen

Die geborgenen Fundstücke landen dann nicht gleich im Museum, sondern in der Res­tau­rie­rungs­werkstatt – bei The­resa. Dort werden sie nochmals dokumentiert. Dann beginnt Theresa mit dem eigentlichen Restaurieren: Fundstücke aus Eisen strahlt sie mit Sand oder winzigen Glas­perlen ab, um sie von der Korrosion, also dem Rost, zu befreien, und schleift sie ab.

Restaurierungswerkstatt

Theresa in der Restaurierungswerkstatt

Fundstücke FSJ Denkmalpflege

Helenas Einsatz arbeitet meist auf Ausgrabungen. Im Winter ist sie aber auch in der Restaurierungswerkstatt.

Schleifen, Wachsbad, Versiegeln, Dokumentieren

„Wenn etwas abgebrochen ist, schaue ich, ob das irgendwo dran passt. Wenn das der Fall ist, kle­be ich das Teil an. Dann wird wieder gestrahlt und geschliffen und irgendwann habe ich dann hoffentlich mein Eisenobjekt gut sichtbar“, erläutert die 18-Jährige aus Plauen den Vor­gang. Danach komme das Eisen zum Trocknen in einen Wärmeschrank und zum Ver­sie­geln in ein Wachsbad.

„Beim Restaurieren geht es nicht darum, Korrosion zu stop­pen. Das ist nicht mög­lich. Sondern man versucht, sie zu verlangsamen. Bei jedem Objekt, egal um was es sich han­delt, versucht man die Korrosion, soweit es möglich ist, weg­zu­machen, aber es möglichst nah am Ursprungszustand zu halten.“ Denn: „Wir wollen nicht, dass das Objekt danach wie neu aus­sieht und wiederverwendet werden kann. Es geht da­rum, die Geschichte zu konservieren.“

Große und kleine Schätze aus alten Gräbern im FSJ Denk­mal­pflege

In der Keramikabteilung wird viel gepuzzelt. Meistens kommen hier die Objekte in einem Erd­block an und müssen noch freigelegt werden. Das können laut Theresa mal Bruch­stücke eines ganzen Gefäßes sein oder nur einzelne Scherben. Im Winter war Helena auch in einer Ke­ra­mikwerkstatt und hat dort große Vorratsgefäße zusammengesetzt.

Eines von Theresas Lieblingsobjekten war ein Knochenkamm. „Das war eine Grabbeilage aus dem Mittelalter. Und der war einfach so schön und in einem mega guten Zustand für ei­nen Kamm. Ich mag aber auch die Bronze-Objekte. Das ist einfach so krass, wenn man die vor sich lie­gen hat und man weiß, dass die aus der Bronzezeit sind. Oder eine Kera­mik­schale, die schon 2.000 Jahre alt ist und noch super aussieht. Meistens finde ich an jedem Ob­jekt etwas, was ich interessant finde.“

Helena: „Es ist immer sehr, sehr spannend, wenn man Gräber findet. Da gibt es dann eine große Aufregung. Bei sowas dabei zu sein, ist eine span­nen­de Sache.“

Das FSJ als Orientierung fürs Studium

Ihr FSJ hat den beiden bereits dabei geholfen, sich zu entscheiden, wie es danach wei­ter­ge­hen soll. Helena möchte an der Fachhochschule Potsdam Konservierung und Restau­rie­rung studieren. Die Eignungsprüfung für den Studienschwerpunkt Wandmalerei hat sie dank ihrer Erfahrung und ihres Zeichentalents schon bestanden. „Während des FSJ und in Vor­be­rei­tung auf die Eignungsprüfung wurde mir hier sehr viel geholfen und ich konnte durch die Kol­legen sehr viel Wissen anhäufen.“

Auch Theresa möchte in Potsdam stu­dieren, und zwar Ar­chitektur und Städtebau. „Die Restaurierung macht mir total Spaß und ich kann mir das als Be­ruf vorstellen, aber ich möchte es trotzdem mit der Architektur pro­bieren. Wenn ich dann merke, dass das nichts für mich ist, dann werde ich zur Res­tau­rierung wechseln. Das ist ein sicher­er Plan B für mich.

von | 16.05.2023 | FSJ

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