Freizeit in Ostthüringen
Zwischen Bushaltestelle und Jugendclub.
Die Feier.Huette posiert gemeinsam mit ihrem größten Widersacher – dem Geschwindigkeitsmesser. Foto: Stephanie Mann
Wie sieht Freizeit aus, wenn die Schule vorbei ist? Und welche Möglichkeiten gibt es eigentlich direkt vor der Haustür?
In Ostthüringen hängt die Antwort oft davon ab, wo man wohnt. In den Städten gibt es meist noch Jugendzentren, Sportangebote oder feste Treffpunkte. Auf dem Land wird es dagegen oft schnell überschaubar. Wer nicht im Verein ist, für den bleiben manchmal nur der Spielplatz, die Bushaltestelle oder das Smartphone.
Dabei geht es gar nicht nur darum, irgendetwas zu tun. Es geht um Orte, an denen man sich treffen, ausprobieren, reden oder einfach zusammen Zeit verbringen kann.
Freizeit braucht Orte
Im Jugendzentrum Wasserturm in Eisenberg wird darüber viel gesprochen. Patrick Schilling, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, kommt selbst aus Eisenberg und hat als Jugendlicher ebenfalls den Wasserturm besucht. Er beschreibt ein Problem, das viele Jugendliche kennen: „Einerseits wird oft gefordert, junge Leute sollten mehr rausgehen. Andererseits verschwinden aber genau diese Räume, in denen das möglich wäre. Jugendliche sind für die meisten Spielplätze irgendwann zu alt, weshalb sie sich andere Orte suchen, wie Fußball- oder Basketballplätze. Die müssen aber auch gepflegt werden. Wenn das nicht passiert, sitzen die Kids irgendwann vor dem Discounter um die Ecke.“
Was dabei deutlich wird: Freizeit ist nicht einfach nur freie Zeit. Freizeit braucht Platz. Orte, an denen man sich aufhalten kann, ohne sofort das Gefühl zu haben, fehl am Platz zu sein.
John-Luca ist 14 und kommt regelmäßig in den Wasserturm. „Es ist schön, einen Ort zu haben, an dem man andere Leute treffen kann, um zusammen Fahrrad zu fahren, Tischtennis zu spielen oder Fifa zu zocken.“ Und noch etwas ist ihm wichtig: „Es gibt Dinge, die privat sind und die ich für mich behalte. Aber über manche Themen, wie Schule oder Freunde, kann ich hier mit den Betreuern oder den anderen sprechen.“
Ein Ort, an dem jemand zuhört, ist manchmal genauso wichtig wie ein Tischkicker.
Das Jugendzentrum Wasserturm in Eisenberg. Foto: Jugendzentrum Wasserturm
Wenn eine spontane Idee viral geht
Aber was passiert, wenn solche Orte fehlen? Dann entstehen manchmal neue. Einfach dort, wo gerade Platz ist.
Zum Beispiel in Sundremda. Dort sorgt gerade die „Feier.Huette“ für Aufmerksamkeit. Hinter dem Instagram-Kanal stehen Oskar, Lea, Pepe und Janik. Das Prinzip ihrer Videos ist simpel: Sie rennen gegen die Geschwindigkeitsuhr im Ort und versuchen, ihren eigenen Rekord immer wieder zu knacken.
Das nächste Video der Feier.Huette entsteht. Foto: Stephanie Mann
„Wir saßen nachmittags an der Bushaltestelle und irgendwann kam Janik auf die Idee, das mal zu probieren“, erzählt Oskar. „Lea meinte, dass sie das filmen muss und ich habe dazu ein paar witzige Sprüche losgelassen. Und über Nacht ging das dann viral.“
Rund 46.300 Menschen folgen den vier inzwischen auf Instagram (Stand: Mai 2026). Geld verdienen sie damit nicht. „Für den Lebensunterhalt reicht es also nicht. Als Hobby ist es aber etwas Schönes“, sagt Lea.
Aus einem Nachmittag an der Bushaltestelle wurde ein Projekt, das plötzlich Tausende sehen, weil vier Leute Lust hatten, etwas auszuprobieren. Und, weil sie mangels Alternativen selbst kreativ werden mussten. „Wir haben alle schon viele Hobbys, aber hier in der Gegend gibt es außer dem Fußball- oder Kegelverein nichts Besonderes.“
So entstehen die besten Ideen manchmal am alltäglichsten, langweiligsten Ort. Und aus einem spontanen Einfall wird plötzlich ein Video, das Tausende sehen.
Mach dein Ding
Manchmal ist es ein Jugendzentrum. Manchmal eine Bushaltestelle. Manchmal reicht schon ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen. Möglichkeiten, die Freizeit zu gestalten, gibt es überall. Das gute ist, dass du es selbst in der Hand haben kannst, kreativ zu werden, dir Projekte zu suchen und Räume zu schaffen, in denen du dich ausleben kannst.
Denn genau diese Orte sind ein wichtiger Bestandteil davon, wie Gemeinschaft entsteht. Und manchmal auch der entscheidende Faktor, durch den du feststellst: Hier gehöre ich hin.