Warmwind: Wie zwei Jahrgang-2000-Gründer mit KI Arbeit neu denken
Mit 18 die erste eigene Firma gründen und den starren Systemen der Arbeitswelt den Finger zeigen? So machen es Max und Richard, die Gründer der Warmwind AG. Sie zeigen, warum Arbeiten kein Endzustand ist, sondern ein Prozess, der sich in den nächsten Jahren gravierend verändern könnte. Und warum genau darin Entwicklungspotenzial liegt.
Max (links) und Richard (rechts), die beiden Gründer von Warmwind. Fotos: Warmwind AG
Max ist 25, CEO und Gründer der Warmwind AG, einem Start-Up aus Jena, welches das erste Betriebssystem für autonome KI-Mitarbeiter entwickelt hat. Die KI ist in der Lage Software visuell wie ein Mensch zu bedienen, soll dabei aber gleichzeitig für alle gleichermaßen praktisch und anwenderfreundlich nutzbar sein. „Es soll sehr intuitiv und einfach bedienbar sein“, sagt Richard, Mitgründer, ebenfalls 25 und unter anderem für Marketing und Kommunikation zuständig.
Die Idee hinter Warmwind klingt erstmal fast zu simpel für das, was aktuell unter „KI“ verkauft wird. Max bringt es auf den Punkt: „Was wir machen, ist eine KI, die tatsächlich ihren eigenen Computer so bedient, wie ein Mensch das machen würde. Also mit Maus und Tastatur.“
Kein kompliziertes Interface, keine abstrakten Workflows, sondern ein virtueller Mitarbeiter, der klickt, tippt und Software benutzt wie ein Mensch. Der Gedanke dahinter: KI soll nicht nur für Tech-Teams oder Konzerne funktionieren, sondern für alle. „Dass auch unsere Eltern das quasi problemlos nutzen können“, ergänzt Richard. Intuitiv, zugänglich, ohne Einstiegshürden.
Kennengelernt haben sie sich nicht auf einem Startup-Event oder im Co-Working-Space, sondern in Gera in der Schule. „Wir kennen uns noch aus der Schule. Also mittlerweile 15 Jahre“, sagt Richard. Heute bauen sie gemeinsam in Jena ein KI-Unternehmen auf, das Arbeit grundlegend vereinfachen will.
Eine sehr andere Vision von KI
Während viele über KI vor allem dystopisch sprechen und den Teufel an die Wand malen, Maschinen würden uns alle ersetzen, blicken Max und Richard optimistisch in die Zukunft. Sie bestätigen auch: Ja, KI wird Menschen in vielen Bereichen übertreffen. „Das wird passieren“, sagt Max. „Dagegen werden wir uns nicht wehren können. Aber das bedeutet einfach, dass es unlimitiert Arbeitskräfte geben wird, die Aufgaben übernehmen, die Menschen nicht übernehmen wollen.“
Seine Vision: eine Welt, in der Menschen nicht mehr für wirtschaftlichen Zwang arbeiten müssen, sondern für sozialen Wert. Um Dinge zu tun, die sie wirklich tun wollen. Kreativität, Beziehungen, Sport, Handwerk. All das, was Emotionen erzeugt und was Maschinen nicht ersetzen können, weil es für Menschen Bedeutung hat und sinnstiftend ist. „Wie das genau aussieht, bestimmen wir. Also die Generation, die jetzt groß wird.“
Mit Warmwind leisten die beiden schon jetzt einen Beitrag dazu. Dafür wurden sie 2025 mit dem ThEX Award in der Kategorie Gründen ausgezeichnet. Cool, sagen beide. Lebensverändernd? Eher nicht. Aber Sichtbarkeit hilft, gerade, um zu zeigen, dass es auch in Thüringen spannende Startups gibt.
Etwas Eigenes starten
Für Max war schon früh klar, dass er etwas Eigenes auf die Beine stellen will. Er spricht offen darüber, dass Schule rückblickend eine der schlimmsten Erfahrungen seines Lebens war. Nicht wegen der Menschen, sondern wegen des Systems aus unangekündigten Tests und Lernen ohne Sinn. „Ich habe mich nach der Schule nicht hingesetzt und gelernt. Ich habe gelernt, wenn ich wusste, dass jemand das wissen will, was ich lerne. Dann habe ich das irgendwie kurzzeitig in mein Gehirn gepresst.“
KI als digitaler Assistent, auch für das Mail-Postfach.
Beispiel-Avatar deiner persönlichen Assistentin.
Richard ergänzt: „Die meisten Sachen lernst du in der Schule, weil du es musst und nicht, weil du den Sinn dahinter verstehen willst. Das trägt sicher auch zu der Entscheidung bei, später etwas machen zu wollen, worauf man auch wirklich Lust hat und wobei einen niemand kontrolliert.“
Gleiches gilt im Falle der beiden übrigens auch für die Uni und die Anstellung in einem Unternehmen. Max hat in Jena Wirtschaftsinformatik studiert und zusätzlich Module in Computer-Science und Physik belegt. Abgeschlossen hat er das Studium aber nicht. Nicht aus Faulheit, sondern aus Frust, denn zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits sein eigenes Unternehmen und empfand die den Uni-Alltag als zu fern von der Realität. „Ich habe in der zwölften Klasse, also sobald ich 18 wurde, mein erstes Unternehmen gegründet. Das kostet übrigens 20 Euro. Inzwischen bin ich beim dritten Unternehmen. Die ersten beiden habe ich verkauft. Meine Familie war eigentlich dagegen, dass ich mich selbstständig mache, weil die Firma meines Opas nach der Wende schiefgelaufen ist. Danach war Unternehmensgründung ein Tabuthema und alle haben mir davon abgeraten. Vielleicht habe ich es gerade deshalb gemacht.“
Richard hat nach dem Abi dual BWL studiert. Im Anschluss fand er einen Job im Controlling. Rückblickend eine ernüchternde Erfahrung. „Ich war ein junger Typ, kam aus der Uni, und dann sitzt du im Unternehmen und merkst: Da ändert sich irgendwie gar nichts. Das demotiviert einfach.“ Als Max sich mit der Idee für ein neues Unternehmen meldete, ging Richard all-in. „Und ich würde es immer wieder machen.“
Stress ja, aber die gute Sorte
Gründen klingt oft nach Dauerstress, was auch für Max und Richard nicht ganz falsch ist, aber nur die halbe Wahrheit darstellt. „Das, was wir tagtäglich machen, ist klar mit viel Stress verbunden, weil wir auch sehr hohe Standards an uns selbst setzen, weil wir sehr schnell sein wollen und in einem Markt sind, der auch sehr schnell ist. Aber das ist kein Stress, der uns wirklich belastet. Das ist ein Stress, der uns zu einem gewissen Punkt elektrisiert und an dem wir Freude haben. Wenn du ein Unternehmen gründest, lernst du hundertmal mehr, als wenn du studierst oder irgendwo angestellt bist. Egal, ob aus der Firma etwas wird oder nicht. Ich würde es allein wegen des Learnings machen.“
Richard bringt es noch simpler auf den Punkt: „Das Schwierigste ist wirklich, selber vielleicht einfach den ersten Schritt zu gehen. Und durch den Rest kämpft man sich dann durch.“