Achtung, Kontrolle!

Stell dir vor du bist mit deiner Familie in einem Restaurant und plötzlich rennt eine Maus aus der Küche und verschwindet irgendwo wieder. Da würde dir der Appetit mächtig vergehen, oder? Damit das nicht passiert, gibt es Lebens­mittelkontrolleure. Sie kontrollieren, dass alle hygienischen Vorschriften umgesetzt sind und eingehalten werden. Sybille Bießmann ist eine der Lebensmittelkontrolleure vom Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt der Stadt Erfurt.

Foto: dusanpetkovic1 -­ stock.adobe.com

„Unsere Hauptaufgaben sind Kontrollen von Lebensmittel­betrieben und die Proben­nahme beispielsweise in lebens­mittel­- und genussmittel­produzierenden Betrieben oder in Hotels und Gast­stätten“, zählt die erfahrene Kontrolleurin auf.

Wenn sie zu einer Kontrolle geht, trägt auch sie Schutzkleidung: Maske, Haube und Kittel. Und genauso achtet sie nicht nur auf das Wo und Wie gekocht wird, sondern auch auf das Wer kocht. Oder besser gesagt, dass derjenige sich an die Vorschriften hält: Schmuck und Gel-Fingernägel sind in der Küche genauso ein No-­Go wie offene Schuhe.

In ihrer Rolle als Lebensmittel­kon­trolleurin kann Sybille Bießmann bei jedem Lebensmittelbetrieb, Restaurant oder Hotel in ihrem Gebiet vorbei­kommen, sich die Gegebenheiten an­schauen und Proben nehmen – und das regelmäßig und unangemeldet.

Die Betreiber, Angestellten und Köche werden immer von ihrem Besuch überrascht. Denn es soll der reale Zustand überprüft werden, wie es dort tatsächlich jeden Tag aussieht.

Wenn ihr dabei Verstöße und Bean­standungen auffallen, hat sie verschie­dene Möglichkeiten, wie sie gegen die Probleme vorgeht.

Von einem Bußgeld und einer Verwarnung bis zur Schließung des Betriebs hat sie einen ganzen Katalog an Maßnahmen, auf den sie zu­rückgreift. An oberster Stelle steht dabei, dass die Mängel beseitigt werden müssen. „Ich kann immer eine Gaststätte schließen! Wenn die Ge­sundheit der Menschen, die dort etwas ver­zehren, in Gefahr ist, kann ich schließen“, be­tont sie. „Wenn jetzt aber nur eine Sache zu be­mängeln und alles andere in Ordnung war, kann ich diesen Bereich sperren. Alle anderen Lebens­mittel dürfen weiterhin verkauft werden.“ Der Bereich muss dann gereinigt und desinfiziert werden. Wenn sie diesen Bereich überprüft hat, darf er wieder genutzt werden.

„Natürlich erleben wir ganz viele eklige Dinge!“, sagt die Hygiene­-Expertin.

Küchen, bei denen keine Seife am Waschbecken steht, herumliegender Mäuse­ und Rattenkot, Fleisch, das nicht gekühlt wird, schmutzige Umkleiden oder dreckige Behälter – die Liste an unschönen Dingen, die Sybille Bieß­mann während ihrer 18 Jahre als Lebensmittel­kontrolleurin erlebt hat, ist lang. Wahrscheinlich überrascht sie so schnell nichts mehr. Ihr Job hat auch Auswirkungen auf ihr Privatleben. „Das führt natürlich dazu, dass man nicht mehr so un­kritisch in eine Gaststätte geht“, erzählt sie. Das Schlimmste für sie sind Eiswürfelbereiter. „Ganz schlimm, eklig!“, findet sie diese. Deswegen trinkt sie ihre Getränke nur noch ohne Eiswürfel. Auch Cock­tails, die mit Eis gemixt werden, trinkt sie ohne. Da nützt es auch nichts, wenn der Bar­keeper die Eiswürfel vorm Servieren wieder raussiebt und wegwirft. Aus Erfahrung kann sie sagen, dass die Eiswürfelbereiter oftmals stark ver­keimt sind.

Ursprünglich hat sie Köchin gelernt, aber in dem Beruf war sie nicht glücklich.

Sie hat nach ein paar Jahren ihren Meister gemacht und war für die Ausbildung zuständig. Für die Weiterbildung zur Lebensmittel­kontrolleurin ist es wichtig, dass man seinen Küchen­meister hat. Auch wer einen Abschluss als Meister im Lebensmittelhandwerk, Techniker in einem Lebensmittelberuf oder einen Hoch­schul­abschluss im Bereich Lebensmittel­tech­nologie oder ähnliches hat, kann sich zum Lebensmittelkontrolleur weiterbilden lassen. Nachdem sie eine Zeit lang für ein Lebensmittelüberwachungsamt Gastronomen geschult hat, fing sie 2004 endlich als Lebens­mittelkontrolleurin an.

„Für mich ist es einfach ein Traumberuf“, schwärmt Sybille Bießmann.

„Er ist spannend, abwechslungsreich und ver­langt ein hohes Verantwortungs­bewusstsein so­wie eigenständiges Arbeiten. In meinem Beruf habe ich wirklich die Möglichkeit etwas zu verändern – nämlich die hygienischen Zustände in Gaststätten und Lebensmittelbetrieben. Da­durch trage ich direkt zu Veränderung und zum Schutz der Verbraucher bei.“ (sa)

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