von | 14.10.2026 | Leben, Meine Region

Vollgas in Richtung Chile 

Wenn Philip Kühnst aufs Rad steigt, gibt es für ihn nur eine Richtung: nach vorne. Deshalb ist sein Ziel klar. 2027 will er an den Special Olympics in Chile teilnehmen!

 

Philip trainiert jeden Tag zwei Stunden. Neben Radfahren auch Athletik, Schwimmen und im Winter Skilaufen. Fotos: Sandra Böhm

Der 28-Jährige lebt und arbeitet auf dem Bodelschwinghhof Mechterstädt, einer Werkstatt samt Wohnheim für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung nahe Waltershausen. Vormittags packt er dort Holzpaletten, nachmittags schwingt er sich aufs Rennrad.

Und das richtig erfolgreich: Bei den nationalen Special Olympics Spielen im Saarland vor wenigen Wochen holte er über 2 Kilometer Gold, über 5 Kilometer wurde er Dritter. 

Schon von klein auf sportlich aktiv

Angefangen hat alles mit Skifahren. Mit vier Jahren stand Philip zum ersten Mal auf der Piste, da seine Familie seit Jahrzehnten nach Österreich in den Skiurlaub fährt.

„Durch meinen Papa“, sagt Philip, wenn man ihn fragt, wie er zum Sport gekommen ist. Über Kontakte seines Vaters kam er schließlich zum Bodelschwinghhof, der für seine Sportleidenschaft genau das richtige Umfeld bot: elf Sportarten stehen dort zur Auswahl. Perfekt für Philip: „Ich fahre gern Ski, ich fahre gern Fahrrad – bei schlechtem Wetter und bei Sonnenschein. Es macht einfach nur Spaß!“

Zwei Stunden Training – pro Tag

Zwei Stunden dauert eine Trainingseinheit, neben Radfahren gehören auch Athletiktraining, Schwimmen und im Winter Skilanglauf für die Ausdauer dazu. Sein Sporttherapeut Florian Crusius begleitet ihn dabei, gemeinsam mit einem Kollegen.

Vor dem Rennen in Saarbrücken übten sie mit Philip gezielt die Kurventechnik der Strecke, Kurve für Kurve, immer wieder. Am Ende hat es sich ausgezahlt. „Ich hätte heulen können, so schön war das“, beschreibt Philip seine Gefühle nach der Goldmedaille.

Der Weg nach Chile ist noch unsicher

Ob Philips Erfolg auch für die World Games im Oktober 2027 in Santiago de Chile – sein erklärtes Ziel – reicht, entscheidet sich erst im November. Der Sieg in seiner Paradedisziplin allein reicht nämlich nicht als Qualifikation: Wenn zu viele Sportler dieselben Kriterien erfüllen, wird am Ende ausgelost, wer dorthin fahren darf.

Beim Skifahren hatte Philip schon einmal Pech und durfte bei den Special Olympics World Winter Games 2025 nicht antreten, erzählt sein Papa, der ihn auf seinem Weg stets unterstützt und ihn auch aktiv mittrainiert.

Florian Crusius sagt über seinen Athleten: „Er ist einer unserer Topsportler. Er ist eigentlich immer motiviert. Man muss ihn eher bremsen, damit er sich an den Trainingsplan hält und nicht nur Vollgas fährt.“ 

Philip präsentiert seine Medaillen der nationalen Special Olympics.

Einfach mehr bewegen

Neben dem Radsport spielt Philip auch leidenschaftlich gern Fußball und hat die WM natürlich verfolgt. Das frühe Aus der deutschen Mannschaft hat ihn ziemlich geärgert.

Wer sich fragt, was Philip anderen jungen Leuten rät, bekommt eine klare Antwort: „Die sollen einfach nur Sport machen und sich mehr bewegen.“ Sein eigener Weg zeigt, wie weit einen das bringen kann, von der Piste in Österreich bis zum Podium in Saarbrücken, und vielleicht schon bald bis nach Chile.

Die Special Olympics

Die Special Olympics sind die weltweit größte Sportorganisation für Menschen mit geistiger Behinderung. Dabei ist das Klassifizierungssystem der fundamentale Unterschied zu allen anderen Sportorganisationen.

Anders als bei den Paralympics wird dort keine Einteilung nach körperlichen Einschränkungen vorgenommen, sondern nur das reine Leistungsvermögen der Sportler berücksichtigt.

So treten nur Athleten mit vergleichbarem Leistungsniveau gegeneinander an, was für faire Wettkämpfe sorgen soll. 

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