Von Oberhof auf die Eins!
Max Langenhan. Rodelweltmeister und Olympiasieger. Der 26-Jährige zeigt, dass Erfolg nicht zwingend aus Metropolen kommen muss, sondern auch aus einer kleinen Stadt im Thüringer Wald.
Inzwischen nicht nr Weltmeister sondern auch Olympiasieger. Fotos: FIL / Michael Kristen
Dass Max heute zur Weltspitze im Rodeln gehört, war nicht immer absehbar. Denn seine erste Begegnung mit dem Schlitten lief nicht gerade ideal. „Als Kind habe ich es im Verein meiner Schwester mal probiert und eigentlich direkt entschieden, dass das nix für mich ist. Frieren, gegen die Band prallen, sich wehtun. Das war alles nichts, worauf ein Kind Bock hat.“ Doch die Trainer sahen ein Talent in ihm, dass er selbst zuerst nicht greifen konnte. Also blieb Max dran.
Auch, weil er diesen inneren Drive hat, der anspringt, sobald es um Leistung geht. „Ich kann ganz schlecht verlieren, denn ich trainiere jeden Tag hart und will, dass man am Ergebnis sehen kann, dass ich meinen Sport beherrsche.“
Heute ist Rodeln sein Beruf und die Medaillen der vergangenen Jahre zeigen, dass der 26-Jährige seinem Anspruch gerecht wird.
Oberhof: klein, aber maximal fokussiert
„Ich kenne keinen Standort, der so umfassend für den Wintersport ausgestattet ist, wie Oberhof“, sagt Max. Einzig eine Großsprungschanze und eine Skipiste würden fehlen, für alle anderen Sportarten seien die Bedingungen in Südthüringen jedoch ideal. Und noch ein weiterer Vorteil ist aus seiner Sicht entscheidend. „Oberhof ist klein. Du hast hier nicht die Ablenkungen und Verlockungen, die du in Großstädten wie Berlin hast. Du bist einfach in einem kleinen Dorf gefangen und kannst dich auf den Sport konzentrieren. Das kann persönlich natürlich gut oder schlecht sein, für die sportliche Entwicklung, wenn man es ernst meint, ist es aber absolut förderlich.“
Das Wichtigste ist das Umfeld
Doch egal wie gut der Standort und wie modern der Kraftraum ausgestattet ist, ohne das richtige Umfeld gelingt der Schritt zum Profi nicht. Trainer, Trainingsgruppen, Menschen, die pushen, challengen und dich auffangen, sowohl körperlich als auch emotional. „Alleine ist es ganz schwierig. Du brauchst jemanden, mit dem du dich jeden Tag messen kannst.“
Doch auch die Menschen in Oberhof und Südthüringen im Allgemeinen sind Teil dieses Umfelds. Sie leben den Wintersport. Diese Leidenschaft sei auch der Grund, weshalb sie die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Athleten wie Max erfolgreich sein können. „Ich feier besonders den Einsatz der ganzen ehrenamtlichen Helfer, wenn in Oberhof Wettkämpfe stattfinden. Das sind Leute, die teilweise selbstständig sind und ihre Firma ein, zwei Wochen dicht machen, um ohne Bezahlung bei der Organisation zu helfen. Das ist echt krass und da habe ich größten Respekt vor.“
Max fährt zum Sieg. Foto: FIL / Michael Kristen
Max beim Training. Foto: Marco Fischer
Der schwere Weg zum Profi-Sportler
Der Schritt vom Nachwuchs- zum Profisport ist kein Selbstläufer. Als Rodler braucht es beispielsweise einen Behördenplatz bei Bundeswehr, Bundespolizei oder Zoll. Den bekommt nur, wer bei der Junioren-WM eine Medaille holt, unabhängig davon wie nah man am Treppchen vorbeischrammt. Ein System, das viel fordert und wenig Spielraum lässt.
Ist dieser Schritt geschafft, steht noch mehr Training auf dem Programm. Jeden Tag, von morgens bis abends. Dabei geht es vor allem um Balance. „Der Körper kann enorm weit getrieben werden, um über sich hinauszuwachsen. Man muss aber auch wissen, wann das notwendig ist und wann man lieber vom Gas runtertreten sollte, um sich nicht überzustrapazieren.“
Was dieser Lebensstil mit sich bringt? Wenig Zeit für Freunde. Ein Alltag, der durchgetaktet ist. Und ein Erfolgsdruck, der vor allem aus dem Selbst kommt.
Trotzdem ist Max dankbar dafür, so leben zu können, wie er es tut. „Ich bin sehr froh, das alles so genießen zu dürfen. Ich habe die Natur vor der Haustür, bin immer an der frischen Luft, werde sehr gefördert und habe einen coolen Beruf. Also, mir geht’s nicht schlecht.“ Und das merkt man. In diesem Sinne: weiterhin gute Fahrt!