Auf nach Malta: Während der Ausbildung ins Ausland

Wie cool ist das bitte: Du kannst deine Ausbildung in Deutschland machen und trotzdem für einige Wochen deinen beruflichen Horizont im Ausland erweitern. Marie war beispielsweise einen Monat auf Malta.

 

Marie bei der Arbeit in der Bibliothek des Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Weimar. Foto: Sandra Böhm

Drei Jahre lang absolviert sie in der Fachbibliothek für Ur- und Frühgeschichte des Thüringer Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie ihre Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste (kurz: Fami), Fachrichtung Bibliothek. Inzwischen hat die 19-Jährige ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen.

Januar und Februar dieses Jahres tauschte sie für vier Wochen die archäologische Fachbibliothek für die große Nationalbibliothek in Valletta, der Hauptstadt von Malta. Und das wurde sogar gefördert, sodass sie für Flüge und Unterkunft nicht ihr ganzes Azubi-Gehalt ausgeben musste.

EU-Programm machts möglich

Das war dank des Erasmus+ Programms möglich, dessen Förderung ihr über den Verein Arbeiten und Leben Thüringen vermittelt wurde. 2026 nutzen mindestens 51 Auszubildende diese Möglichkeit und sind dabei, was ihre Ausbildungsberufe angeht, sehr divers: Ein Großteil von ihnen kommt zwar aus der Pflege oder macht eine Erzieher-Ausbildung, aber neben den Famis sind auch angehende Landwirte, Goldschmiedinnen und Metallbildner darunter.

„Es werden grundsätzlich keine Berufe in der beruflichen Erstausbildung ausgeschlossen“, sagt Cornelia Rost, die das Programm bei Arbeit und Leben Thüringen betreut.  

Marie hatte gleich zu Beginn ihrer Ausbildung von ihrer damaligen Englischlehrerin an der Berufsschule, dem Staatlichen Berufsschulzentrum Kyffhäuserkreis in Sondershausen, davon gehört und wollte die Möglichkeit unbedingt nutzen, sobald sie 18 Jahre alt war.

„Eigentlich wollte ich unbedingt in die skandinavischen Länder, weil die in der Bibliotheksarbeit wirklich sehr fortschrittlich sind“, erinnert sie sich. Dort hat es aber nicht geklappt, also hat sie von ihrer Lehrerin den Tipp bekommen, es in Malta zu versuchen. Dort habe sie sofort eine Zusage bekommen.  

„Meine Eltern haben das Auslandspraktikum sehr befürwortet“, sagt die 19-Jährige, die schon immer mal im Ausland arbeiten wollte.

Die Sorge: Schafft sie das allein?

Trotzdem seien zwischendurch immer mal Zweifel bei ihr aufgekommen, ob sie das alles hinkriege. Denn um Flüge, Unterkunft und das Leben vor Ort musste sie sich selbst kümmern.

Deswegen war sie umso glücklicher, dass sie eine Freundin aus ihrer Berufsschulklasse mit ihrem Reisefieber anstecken konnte, sodass sie beide gemeinsam nach Malta flogen.

Dass sich die Interessenten selbst um ihren Praktikumsplatz und die Logistik kümmern müssen, ist Absicht: „Sie wissen am besten, was sie wollen und stehen am Ende auch voll und ganz hinter dem Praktikum“, sagt Cornelia Rost.

Der Erfolg gibt ihr Recht: Die Abbrecherquote liegt laut ihr bei Null. 

Die Nationalbibliothek Maltas von innen… Foto: privat

…und nochmal von außen. Foto: privat

Die Eingewöhnung vor Ort

Marie und ihre Freundin suchten sich für die Zeit ein Apartmenthotel in Msida, da es dort immer einen Ansprechpartner geben würde, sollten sie während ihres Auslandsabenteuers Hilfe benötigen. Wichtig sei ihnen gewesen, dass es eine gute Anbindung nach Valletta gebe.

„Die Busse dort sind aber eine Katastrophe“, erinnert sie sich und lacht. „Meine Ansprechpartnerin vor Ort hatte mir schon gesagt, dass die Busse fahren, wie sie wollen, und ich mir keine Gedanken machen soll, wenn ich mal zu spät auf Arbeit komme.“ Dass sie aber wirklich manchmal gar nicht fuhren, habe sie dann doch überrascht.  

Back to the Roots: Viel analoge Arbeit

In der Nationalbibliothek erhielt sie Einblicke in die Bibliotheksarbeit, die sie so noch nicht kannte. Über die vier Wochen bestand ihre Aufgabe hauptsächlich darin, die Bestandslisten der Zeitschriftenbände zu überprüfen, was noch sehr analog ablief.

Dabei hatte sie teilweise mit recht alten Werken zu tun und lernte auch eine Art von Speichermedien kennen, die es in Deutschland kaum noch gibt, sogenannte Mikrofiche, auf denen mehrere Seiten eines Magazins auf eine A6-große Plastikkarte gedruckt sind, und die man nur mithilfe eines speziellen Geräts lesen kann.  

Obwohl die analogen Methoden wie Zettel- oder Bandkatalog in Deutschland kaum noch genutzt werden, haben ihr die Einblicke in die klassische Bibliotheksarbeit dennoch viel gebracht. Sie verstünde jetzt die Entwicklung der Arbeitsweise hin zu Onlinekatalogen und Discovery-Systemen viel besser.

Nicht nur Arbeit, sondern auch Vergnügen

Während ihrer Zeit auf der Insel haben Marie und ihre Freundin natürlich auch die Zeit genutzt, um die Insel zu erkunden: „Malta hat sehr viel Kultur zu bieten und deswegen haben wir uns bemüht, viel anzuschauen, viel zu erleben.“

So waren sie bei einer archäologischen Ausgrabungsstelle, haben sich Valletta und die umliegenden Orte angeschaut und unter anderem das Nationalaquarium besucht.  

„Ich kann nur jedem raten, eine solche Chance zu nutzen, wenn man sie bekommt. Auch wenn man vielleicht Angst hat und sich das erstmal nicht zutraut“, bekräftigt Marie. 

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