Streit um Studierendenlöhne
Studentische Beschäftigte an der Uni Jena kritisieren ihre Bezahlung
Tutorien vorbereiten, Literatur recherchieren, Experimente betreuen oder Daten auswerten. Studentische Hilfskräfte halten den Uni-Alltag in vielen Bereichen am Laufen. Trotzdem sorgt ihre Bezahlung an der Friedrich-Schiller-Universität Jena aktuell für Gesprächsstoff.
Schon vor Monaten ging der TVStud für gerechte Studierendenlöhne auf die Straße. Foto: TVStud
Auslöser war die Tarifeinigung der Länder aus dem Frühjahr. Darin wurde eine höhere Vergütung für studentische Assistenzen, also Beschäftigte ohne Hochschulabschluss, vereinbart. Die Universität Jena setzte diese Erhöhung auch um. Anders sieht es jedoch bei wissenschaftlichen Assistenzen aus, die bereits einen Bachelorabschluss besitzen. Da diese Beschäftigtengruppe in der Tarifeinigung nicht ausdrücklich genannt wird, wartet die Universität als einzige Hochschule in Thüringen auf eine entsprechende Verwaltungsvorschrift des Thüringer Finanzministeriums, bevor sie deren Vergütung anpasst. Andere Thüringer Hochschulen haben diese Unklarheit bereits eigenständig ausgelegt und die höheren Stundenlöhne auch für wissenschaftliche Assistenzen eingeführt.
Für die Initiative TVStud (Tarifvertrag für studentische Beschäftigte) war dieses Vorgehen nicht nachvollziehbar. Die Gewerkschaftsbewegung setzt sich seit Jahren für bessere Arbeitsbedingungen studentischer Beschäftigter ein. Aus ihrer Sicht leisten studentische Assistenzen unverzichtbare Arbeit in Forschung und Lehre, arbeiten aber häufig unter prekären Bedingungen: kurze Vertragslaufzeiten, geringe Löhne und wenig Planungssicherheit.
„Unser Bachelor-Abschluss ist gerade einfach nichts wert.“
Besonders kritisch sah die TVStud, dass Bachelorabsolventen zunächst weiterhin weniger verdienen sollten als studentische Hilfskräfte ohne Abschluss. Nach Protesten und Gesprächen mit dem Assistenzrat wurde diese Ungleichbehandlung zwar korrigiert, ein bitterer Beigeschmack bleibe für die Initiative aber dennoch. „Auf Nachfrage und Druck des Assistenzrats konnte zumindest nachträglich angeglichen werden, dass wir Assistenzen mit Abschluss zumindest den gleichen Stundenlohn wie unsere Kollegen ohne Abschluss erhalten. Das bedeutet aber gleichzeitig, dass unser Bachelor-Abschluss gerade einfach nichts wert ist. Und das bei einer Beschäftigung an einer Universität.“
Langfristig fordert die TVStud deshalb einen eigenen Tarifvertrag für studentische Beschäftigte, der Arbeitsbedingungen und Bezahlung verbindlich regelt.
Die Universität Jena weist den Vorwurf des Nichtstuns derweil zurück. Gegenüber WIYOU erklärt sie, man habe sich bewusst entschieden, zunächst die angekündigte Verwaltungsvorschrift des Landes abzuwarten. Hintergrund sei die Erwartung gewesen, dass diese bereits im Juni vorliegen würde. Sobald die Vorgaben veröffentlicht seien, werde die Universität ihre eigenen Vergütungsregelungen gemeinsam mit den Interessenvertretungen anpassen. Und das rückwirkend. Nach Angaben der Hochschule sei die Situation derzeit dynamisch und man gehe davon aus, dass innerhalb Thüringens bald Klarheit geschaffen werde.
Jeder Cent zählt
Für viele Studierende geht es dabei längst nicht nur um einige Cent pro Stunde. Wer neben dem Studium arbeitet, spürt steigende Mieten, höhere Lebensmittelpreise und wachsende Semesterbeiträge unmittelbar im eigenen Geldbeutel. Nach Einschätzung von TVStud spielt Geld deshalb für fast alle Studierenden eine zentrale Rolle. Viele müssten mehrere Jobs gleichzeitig ausüben oder ihre Arbeitszeit erhöhen, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Hinzu kämen lange Bearbeitungszeiten beim BAföG, die manche Studierende zusätzlich unter Druck setzten.
Das hat laut TVStud nicht nur kurzfristig schwerwiegende Folgen: „Wenn Jobs an der Uni nicht ausreichend entlohnt werden, können es sich irgendwann nur noch finanziell besser gestellte Studis leisten, einen Job an der Uni anzunehmen. Und ein Job an der Uni öffnet einem später wahrscheinlich mehr Türen als ein Job im Café.“
Wie es nun weitergeht, hängt maßgeblich vom Thüringer Finanzministerium ab. Erst mit der ausstehenden Verwaltungsvorschrift können die angekündigten Anpassungen offiziell umgesetzt werden. Die Universität Jena hat angekündigt, danach zügig handeln zu wollen. Bis dahin bleibt für viele studentische Beschäftigte jedoch die Frage offen, wann aus einer angekündigten Lohnerhöhung tatsächlich mehr Geld auf dem Konto wird.
Die neue Rahmenvereinbarung
Mit Stand vom 18. August 2026 hat die Landesregierung eine neue Hochschulrahmenvereinbarung beschlossen, in der festgeschrieben wurde, dass den zehn staatlichen Hochschulen bis 2031 etwa 3,1 Milliarden Euro zur Verfügung stehen sollen.
Die neue Regelung tritt am 01. Januar 2027 in Kraft.