Mit 30 schon Pfarrer
Er hat auf Instagram über 4.000 Follower und übernimmt mit gerade einmal 30 Jahren seine erste eigene Pfarrei: Lukas Hennecke aus Mühlhausen zeigt online wie offline, dass Kirche alles andere als verstaubt ist.
Lukas ist mit 30 Jahren der jüngste Pfarrer in der Geschichte der Gemeinde Mühlhausens. Foto: Sandra Böhm
Fünf Jahre lang war Lukas Hennecke Kaplan in Leinefelde im Eichsfeld, jetzt steht der nächste Schritt an: Er wird Pfarrer in Mühlhausen.
Ein Kaplan ist quasi ein Pfarrer in Ausbildung, der noch keine eigene Gemeinde leitet. „Traditionell ist es oft so, weil die Kapläne ja noch jünger sind, dass sie dann in der Jugendarbeit und in der Arbeit mit Kindern aktiv sind, und so ist es bei mir auch“, erklärt Lukas.
Genau das dürfte sich mit dem Wechsel ändern, denn als Pfarrer trägt er künftig die Verantwortung für die ganze Gemeinde, für Gebäude, Personal und Verwaltung. „Das ist schon eine Herausforderung, auf die ich mich aber auch freue“, sagt er.
Vom Religionsunterricht begeistert
Priester wollte Lukas nicht schon immer werden. Erst in der Oberstufe entdeckte er über den Religionsunterricht seine Begeisterung für Theologie, ganz ohne konkretes Berufsziel. Er studierte fünf Jahre in Erfurt, verbrachte ein Auslandssemester in Jerusalem und entschied sich danach für das Priesterseminar. Es folgten der Pastoralkurs, die praktische Ausbildung, und eine Promotion, die er parallel zur Gemeindearbeit abschloss.
Der Alltag als Pfarrer
Wie sein Alltag aussieht, lässt sich kaum in einem Satz zusammenfassen. „Jeder Tag kann anders sein“, sagt Lukas. Mal sitzt er in Konferenzen oder kümmert sich im Büro um Verwaltung und Finanzen, mal schreibt er Förderanträge für Jugendfahrten. An anderen Tagen führt er persönliche Gespräche zur Vorbereitung von Taufen, Hochzeiten oder Beerdigungen, und dann gibt es wieder Tage, an denen er mit Jugendlichen an einer Waldkapelle zeltet.
Im Pastoralkurs nach dem Studium hat er außerdem gelernt, wie man Gottesdienste musikalisch begleitet, auch wenn er das Orgelspielen inzwischen selten selbst übernimmt: „Beides gleichzeitig, vorne den Gottesdienst leiten und musizieren, ist meistens schwer möglich.“ Nur zu besonderen Anlässen wie der Christmette singt er noch mit im Chor.
Besonders wichtig ist die Jugendarbeit
Am liebsten arbeitet er direkt mit jungen Menschen, und sein junges Alter sieht er dabei als Vorteil. „Ich habe natürlich einen Heimvorteil dadurch, dass ich selbst noch nicht so ganz alt bin, und habe es damit leichter, auch jüngere Generationen für kirchliche Veranstaltungen und Gottesdienste zu gewinnen.“
Aus dieser Nähe sind feste Jugendgruppen entstanden, die gemeinsam mit ihm Gottesdienste und Treffen vorbereiten. Besonders schön findet er es, junge Menschen über Jahre zu begleiten: „Manche von denen habe ich kennengelernt, als sie vielleicht zehn Jahre alt waren, und dann werden sie älter, fangen an, selbstständiger zu werden, auch selbstbewusster.“
Arbeitseinblicke via instagram
Diese Nähe zur Jugend zeigt sich auch online. Auf Instagram folgen Lukas mittlerweile über 4.000 Menschen. Zufällig ist das nicht.
„Die Leute haben einen ganz anderen Eindruck von meiner Arbeit in einer Kirchengemeinde, als ich es wirklich real erlebe“, sagt er über den Anstoß dazu. Er wollte zeigen, dass sein Alltag mit Kindern und Jugendlichen, mit Gottesdiensten und Aktionen alles andere als eingestaubt ist, und packte das zunächst in Stories.
Die Reichweite, die daraus entstand, hat ihn selbst überrascht, und sie wirkt inzwischen direkt in seine Gemeindearbeit zurück: „Damit kann mehr Werbung gemacht werden als über klassische Formate wie Zeitung oder Pfarrbrief oder Website.“
Alle sind willkommen
Dass junge Leute der Kirche oft mit Skepsis begegnen, ist ihm bewusst. Wenn ihm jemand sagt, Kirche sei uncool und langweilig, reagiert er nicht mit Gegenrede, sondern mit einer Einladung: zu einem offenen, unverfänglichen Treffen, über das dann der Anschluss an eine Gruppe entstehen kann.
Und wenn der Vorwurf lautet, die Kirche habe in der Vergangenheit viel falsch gemacht, widerspricht er erst gar nicht.
„Natürlich hat er in dem Sinne erstmal recht“, sagt Lukas, verweist dann aber auch auf das, was aus seiner Sicht gut läuft: „Es gibt eben auch viele Dinge, die Menschen eine Orientierung geben, Kraft und Hoffnung geben. Und diese Seite versuche ich zu betonen.“
Auch bei kontroverseren Themen bleibt er im Gespräch offen. Zu queeren Menschen in der Kirche sagt er, man habe in seinen Gemeinden eigentlich immer gute Wege gefunden, alle einzubinden, „ohne, dass das jetzt so groß eine Besonderheit wäre“.
Und wer nicht an Gott glaubt, hat aus seiner Sicht einfach eine andere Erfahrung gemacht oder niemanden gehabt, der glaubwürdig davon erzählen konnte. Eine Entscheidung, die für ihn zu respektieren ist.
Und morgens in der Sakristei, kurz bevor der Gottesdienst beginnt? Da würde bei Lukas, wenn überhaupt, ein fröhliches Lied laufen. Sein Favorit: „Oh Happy Day.“
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