Zwischen Schießstand und Schneeflocken

Leistungssport beinhaltet mehr als nur Podiumsplätze, Medaillen und Blitzlichtgewitter. Der Weg zum Erfolg besteht vor allem aus harter Arbeit und einem konsequenten Lifestyle. Und natürlich aus Leidenschaft.

 

Alina trifft ins Schwarze. Fotos: Kevin Voigt

Alina Nußbicker ist 21, Biathletin, Sportsoldatin und Studentin der Sportökonomie. Aufgewachsen ist sie in Tambach-Dietharz, wo schon früh die Weichen für ihre spätere Karriere gestellt wurden. „Ich bin mit Wintersport groß geworden und war schon mit fünf Jahren im Verein. Zunächst erstmal nur Langlauf, vor allem viel mit meinen Eltern. Mit elf kam dann das Luftgewehrschießen dazu, was nochmal mehr gebockt hat als nur Ski zu fahren. Dann kamen die ersten Erfolge und eine Phase, in der alles professioneller wurde, weshalb ich dann ans Sportgymnasium gewechselt bin.“

Also ging es für Alina ab nach Oberhof ins Internat. Der logische nächste Schritt, auf ihrem Weg zur Profisportlerin. „Hier konnte ich Schule und Sport bestmöglich kombinieren und unter einen Hut bringen. Diese Möglichkeit gibt es in der Form, glaube ich, nicht oft in Deutschland. Und ich habe es keine Sekunde bereut, diesen Weg gegangen zu sein.“

Nicht zuletzt, weil Oberhof nur einen Katzensprung von ihrem Heimatort entfernt liegt. Wegziehen? Stand für Alina nicht zur Debatte. „Ich bin sehr gern mit meiner Familie zusammen und wir versuchen einander so oft zu sehen, wie es geht. Gerade im Winter ist das manchmal nicht so häufig der Fall, aber das war einer der Hauptgründe, nicht weiter weg zu gehen.“

Und warum sollte sie? Schließlich hat sie in Oberhof die besten Voraussetzungen, in ihrem Beruf erfolgreich zu sein. „Hier wird alles rund um den Wintersport angeboten, nicht nur Biathlon. Da ist in dieser Form in Deutschland einzigartig. Wir haben hier an Ausstattung alles, was wir brauchen.“ Und ein weiterer Vorteil: „Außerdem bin ich lieber in der Natur als in der Stadt. Und die Gegend hier ist wirklich schön. Auch wenn ich mir ein paar mehr Berge wünschen würde und das Wetter manchmal besser sein könnte.“

Alltag und Erfolgsdruck

Nach der Schule ist Alina zur Bundeswehr gegangen, um das nächste Level zu erreichen. „Man kann, um in Deutschland Biathlon auf Profiniveau auszuüben, zur Bundeswehr, zur Bundespolizei oder zum Zoll gehen. Muss man zwar nicht, aber der Sport ist recht kostenintensiv und als Sportsoldatin kriegt man ein monatliches Gehalt und kann den Lebensunterhalt bestreiten, während man sich weiterhin auf den Sport konzentrieren kann.“

Mit Erfolg steigt der Druck. Und die eigenen Ansprüche.

Damit einher ging auch eine Grundausbildung, die jedoch nur vier Wochen statt drei Monate dauerte. Zusätzlich muss Alina mindestens einmal pro Jahr einen Lehrgang der Bundeswehr besuchen, ist den Rest des Jahres jedoch vom Dienst befreit, um sich dem Biathlon zu widmen. Aber: „Wenn es hart auf hart kommt, wäre ich auch zum Dienst an der Waffe verpflichtet. Im Vordergrund steht im Normalfall aber der Sport.“

Die Hauptsaison läuft von November bis März. Zweimal pro Tag trainiert Alina, um bestmöglich auf Wettkampfsituationen vorbereitet zu sein. Denn Erfolg bringt Erwartungen, vor allem die an sich selbst. „Nach den ersten internationalen Erfolgen wurde es definitiv nicht einfacher. Im Gegenteil, ich hatte eher damit zu kämpfen, wieder eine gewisse Lockerheit zurückzugewinnen.“  Unterstützung fand sie unter anderem im Mentalcoaching und hat inzwischen gelernt, dass eine gute Balance entscheidend ist, um weder die Freude noch den Biss zu verlieren. „Ein Mittelmaß aus Druck und Spaß sollte es sein.“

Die notwendigen Opfer

Das bringt einige Entbehrungen mit sich, besonders zwischenmenschlich. „Irgendwann kommt der Moment, an dem man merkt, was geht und was nicht. Da fragt man sich schon, wie es wäre, ein Studentenleben zu führen oder seine Freunde regelmäßig zu sehen, was bei mir ehrlich gesagt selten der Fall ist, weil sie sich meistens danach richten müssen, wie ich gerade Zeit habe. Das ist manchmal schwierig, vor allem in Phasen, in denen es nicht so gut läuft. Aber ohne diese Opfer geht es nicht und das ist für mich völlig okay, denn ich habe ein Ziel und werde alles dafür tun, das zu erreichen.“

Langfristig träumt Alina vom Weltcup und von Olympia. Kurzfristig denkt sie lieber in Etappen. „Step by Step“, sagt sie. Oder, im Sinne dieser Ausgabe: Trust the Process. Denn Großes entsteht aus vielen kleinen, konsequenten Entscheidungen.

Alina Nußbicker – Erfolge (Auswahl)

  • 🥇 1× Gold IBU Juniorcup Einzel 2023/24
  • 🥈 2× Silber IBU Juniorcup Einzel/Sprint 2023/24
  • 🥈 1× Silber IBU Juniorcup Mixed Staffel 2023/24
  • 🥈 1× Silber IBU Juniorcup Einzel 2024/25
  • 🏆 Gesamtsieg Einzelwertung IBU Juniorcup 2023/24
  • 🥇 1× Gold Junioren-Weltmeisterschaften Staffel 2023/24
  • 🥇 1× Platz 1 & 🥉 1× Platz 3 Alpencup 2025/26
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