Richter (m/w/d)
Philipp ist 31 und Richter am Landgericht. Im Gespräch erzählt Philipp, warum er sich für diesen Weg entschieden hat und natürlich auch, was es mit der schwarzen Robe auf sich hat.
Foto: Pixel-Shot – adobe.stock
Richter: „Die Robe ist eine Art Rüstung“
Wenn Philipp morgens sein Büro betritt, sieht er meist noch nicht nach Gerichtsverhandlung aus. Logisch, denn auch als Richter ist er nicht 24/7 in offiziellem Gewand unterwegs. „Die Robe trage ich eigentlich nur vor Gericht. Das macht aber nur einen kleinen Teil der Arbeit aus. Die meiste Zeit verbringt man eigentlich in Zivil im Büro und schreibt beispielsweise Urteile oder arbeitet sich durch Papierkram.“
Stapel von Akten, Gesetzbücher und ein Computer. Philipps Arbeitsplatz könnte auch der eines Anwalts oder Verwaltungsbeamten sein. Stattdessen entschied sich der 31-Jährige für die Laufbahn als Richter. „Der Wunsch entstand während des Studiums. Darin lernt man alle Berufsmöglichkeiten kennen, die es im juristischen Bereich gibt. Ich habe dabei festgestellt, dass ich Konflikte gern dem Gesetz entsprechend lösen möchte, statt für eine Seite Partei zu ergreifen, wie es Anwälte manchmal tun müssen.“
Das Studium der Rechtswissenschaften
Richter oder Anwalt, für beides ist ein Studium der Rechtswissenschaften (oder kurz: Jura) notwendig. In Philipps Fall fand das an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena statt. Wer Jurastudium hört, denkt oft an endlose Paragrafen und trockenes Pauken. Dieses Vorurteil würde Philipp nicht unterschreiben: „Man sollte sich von solchen Aussagen nicht abschrecken lassen. Jura hat aus meiner Sicht viel mit logischem Denken zu tun. Fast wie Mathematik. Alles folgt klaren Regeln.”
Das Studium dauert in der Regel viereinhalb bis fünf Jahre. Es ist in verschiedene Rechtsgebiete gegliedert, zum Beispiel Zivilrecht, Öffentliches Recht und Strafrecht. Am Ende dieser Zeit steht das erste Staatsexamen. „Das ist die erste große Hürde. Damit hat man zwar den Titel ‚Jurist‘, aber noch keine Erlaubnis, vor Gericht zu arbeiten.“
Verbeamtung
Es folgt das Rechtsreferendariat, eine Art praktische Ausbildung in Kanzleien, bei Behörden und Gerichten. Diese Phase dauert noch einmal zwei Jahre. Danach hast du auch das zweite Staatsexamen in der Tasche und kannst als Richter arbeiten. Direkt nach dem Studium begann Philipp als Richter auf Probe. „Man wird zunächst auf Zeit ernannt, meist drei bis fünf Jahre lang. Erst wenn man sich bewährt, wird man auf Lebenszeit verbeamtet.“
Wichtig sei vor allem Interesse daran, Konflikte zu lösen, Verantwortungsbewusstsein und die Bereitschaft, schwierige Entscheidungen zu treffen. „Man arbeitet sehr viel mit Menschen und entwickelt mit der Zeit eine gute Menschenkenntnis.“
Der Dresscode eines Richters
Vor Gericht ist es für Richter und Anwälte Pflicht, eine Robe zu tragen. Aber warum eigentlich? „Die Robe ist Pflicht, weil wir vor dem Gesetz alle gleich sind. Sie signalisiert aber auch, dass hier eine offizielle Verhandlung stattfindet. Wenn ich im Gerichtssaal bin, dann bin ich keine Privatperson, sondern repräsentiere eine öffentliche Instanz. Der Dresscode für Anwälte und Richter unterscheidet sich da etwas, beispielsweise trage ich als Richter neben der Robe auch ein weißes Hemd und eine weiße Krawatte oder Fliege. Für Anwälte gilt das nicht. Aber eine Robe tragen alle.“
Klare Abgrenzung vor Gericht
Die Abgrenzung von Beruf und Privatperson hat aber noch einen weiteren Nebeneffekt. „Die Robe ist eine Art Rüstung. In Zivil erkennt mich auf der Straße kaum jemand, dem ich vor Gericht begegne. Jedenfalls nicht auf den ersten Blick. Ich treffe Entscheidungen, die für Menschen sehr wichtig sein können und die nicht immer zu ihren Gunsten ausgehen. Das ist eine Menge Verantwortung, dessen sollte man sich schon bewusst sein.“
Aus diesem Grund haben wir uns dazu entschlossen, diesen Beitrag ohne Philipps Foto zu veröffentlichen. Denn obwohl Philipp als Richter zur Neutralität verpflichtet ist und seine Urteile entsprechend fällt, kann es durchaus passieren, dass ihm die Erfüllung seiner Pflicht nachgetragen wird. Zumindest potenziell. In der Praxis hat Philipp bisher andere Erfahrung gemacht. „Die Robe hat natürlich auch eine Respektsfunktion. In der Regel wird ein Urteil auch akzeptiert. Ich denke aber, dass generell viele Menschen Vertrauen in die Justiz haben. Und meine Kollegen und ich sind bemüht, dass es so bleibt.“
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