Technische Landwirtschaft, meine Welt!

Stell dir vor: Erntezeit und die Landwirte fahren mit ihren riesigen Geräten über die Felder und dann geht plötzlich nichts mehr – der Maishäcksler streikt. Und nun? Hier kommt der Land­ und Baumaschinenmechatroniker zum Einsatz, der diese Geräte wartet und bei Bedarf wieder instand setzt. Pierre (17 Jahre) absolviert seine Ausbildung beim Agrarunternehmen „Wöllmisse“ in Schlöben (Stadtroda). Das WiYou.de­-Team hat ihm mal aufs Zahnrad gefühlt.

Land- und Baumaschinen-
mechatroniker (m/w/d)

Worum gehts?

Der Land-­ und Baumaschinenmechatroniker ist für die Wartung und Instandsetzung land­- und forstwirtschaftlicher Anlagen zuständig und beschäftigt sich täglich mit Elektrik und Elektronik.

Chancen:

Nach der Ausbildung kannst du eine weitere Qualifikation zum Elektrotechniker oder Meister machen. Wenn du noch ein Studium anstrebst, kannst du im Bachelor of Engineering Maschinenbau oder Fahrzeugtechnik studieren.

Dauer: 3,5 Jahre

Voraussetzungen:

 Du brauchst einen Haupt- oder Realabschluss, praktische Vorerfahrungen sind gerne gesehen. Handwerkliches Geschick und Interesse an Technik, besonders Elektrik und Hydraulik, sowie Verantwortungsbewusstsein solltest du mitbringen.

Foto: Wöllmisse

Über Pierre und seine Ausbildung

Große Geräte, die mit digitalen Systemen vernetzt sind, haben dich schon immer fasziniert?

Unser imaginärer Landwirt steckt mit seinem Maishäcksler auf dem Feld fest und sendet mit Hilfe von Satelliten seine Daten in den Betrieb des Land­ und Baumaschinenmechatronikers – ohne digitale Vernetzung und neueste Technik wäre so etwas nicht möglich. Azubi Pierre fasziniert die Motorentechnik und der technische Fortschritt in seinem Berufsfeld: „In meiner Familie gibt es viele Landwirte und Kfz-­Mechatroniker für LKW. Für Technik habe ich mich schon immer interessiert und habe deshalb früh ein Praktikum gemacht, um in den Beruf reinzuschauen und mir sicher zu sein. Mit 15 Jahren habe ich die Ausbildung angefangen, mir war wichtig, dass es abwechslungsreich ist. Bis heute bereue ich diese Entscheidung nicht.“

Pierre ist jetzt im zweiten Lehrjahr und lernt viele Maschinen kennen, hydraulische Anlagen, elektrische Schalt­ und Motorentechnik. Dazu kommen noch Lehrgänge, hier hat er zuletzt die Metallbearbeitung absolviert: feilen, sägen, bohren – und das Erstellen eines Modelltraktors. Während der Ausbildung ist Abwechslung vorprogrammiert: Pierre ist im Wechsel acht Wochen im Betrieb, zwei Wochen in der Berufsschule, in der überbetrieblichen Ausbildung und auf Lehrgängen. Er lernt hydraulische Anlagen kennen, wie er Bauteile für Fahrzeuge anfertigt und diese verbaut, damit das Fahrzeug wieder auf dem Feld fahren kann. Weiterhin gehört zum Aufgabenbereich: Mechanik, Elektrik und Elektronik, Kontrollieren und Justieren, Montieren und Demontieren, Schleifen, Warten und Instand setzen sowie die Metallbearbeitung.

„Die neuesten Traktoren sind von der Technik her wie ein PKW oder LKW mit Display und Bordanzeige versehen. Die Fehlersuche läuft auch über ein Tablet, so dass die Suche vereinfacht wird. Natürlich muss man als ausgebildeter Mechatroniker wissen, wo die Ursache herkommt, zum Ausschließen anderer Ursachen ist die technische Unterstützung hilfreich“, erklärt Pierre. Die Werkstätten für die Landwirtschaft sind ähnlich wie LKW-­Werkstätten, dort arbeitet Pierre auch. Reifen wechseln bei Traktoren oder Maishäckslern gehört
auch dazu – Wintersaison ist Pflegezeit der Fahrzeuge. Wusstest du, dass aus den alten verbrauchten Reifen noch Gummimatten für Liegeflächen der Kühe im Stall, Laufbahnbelag für Sportplätze hergestellt und weiterverwendet werden? Land­ und Baumaschinenmechatroniker sind Allrounder, sie arbeiten im Handwerk und in der Industrie. Zu diesem vielseitigen Beruf gehören Lärm, Schmutz, Öl und Fett beim Arbeiten dazu.

Als Allrounder haben Pierre und andere Azubis gute Chancen, in Produktionsfirmen für land­- und forstwirtschaftliche Anlagen und in Reparaturwerkstätten zu arbeiten.

Die Möglichkeit, sich zum Techniker oder zum Meister zu qualifizieren, besteht auch. Möchtest du ein Studium draufsetzen, kann es in die Richtung Bachelor of Engineering Maschinenbau oder Fahrzeugtechnik gehen. Nach der Ausbildung möchte Pierre noch eine Weiterbildung zum Elektrotechniker machen, er wünscht sich aber auch für die Zukunft: „Es reizt mich, zu sehen, was man alles schaffen kann. Beispiels weise einen Anhänger von A bis Z aufrüsten, alle alten Kabel raus und neu einsetzen, bis es funktioniert. Ich wünsche mir noch mehr Weiterentwicklung in der Technik, weil noch lange nicht alles in der Digitalisierung ausgeschöpft ist.“ (ba)

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