Marie-Luice, die Coco Chanel der Medizintextilien

Die Modeikone Coco Chanel hat mit ihrem schlichten, eleganten Kleidungsstil nicht nur einen Beruf, der überwiegend von Männern dominiert wurde, revolutioniert, sondern auch gezeigt, dass Frauen ebenfalls kreativ und eigenständig Dinge schaffen können. Marie-Luice (19 Jahre) macht seit 2019 eine Ausbildung zur Textil- und Modenäherin bei der Bauerfeind AG in Zeulenroda. Hier spezialisiert man sich auf textile Medizinprodukte, die nicht nur mit der Wirkung begeistern, sondern auch modisch ansprechend sind. Getreu dem Motto: „Mode ist wie Architektur: Es ist eine Frage der Proportionen“.

Textil- und Modenäher (m/w/d)

Dauer: 2 Jahre

Wie bist du zur Ausbildung gekommen?

Nach meinem Realschulabschluss habe ich mich orientiert, was ich machen möchte, ob erst ein Praktikum oder eine Ausbildung. Da mein Onkel bei einem Tochterunternehmen von Bauerfeind arbeitet, habe ich mich auf ein Praktikum bei der Bauerfeind AG beworben. Nach meinem sechsmonatigen Praktikum habe ich dann 2019 die Ausbildung angefangen.

Was sind Voraussetzungen für die Ausbildung?

Man sollte Fingerfertigkeit sowie Kreativität besitzen. Durch die Nähpraxis bekommt man schnell das Gefühl für Nadeln und kleine Teile, die zu vernähen sind. Mir hat es damals geholfen, das Praktikum vor der Ausbildung zu machen – es müssen aber keine sechs Monate wie bei mir sein. Einzelne Tage zum Reinschnuppern sind auch möglich.

Foto: Bauerfeind AG

Was sind Schwerpunkte in deiner Ausbildung?

Der Wechsel zwischen Theorie und Praxis ist spannend, in den überbetrieblichen Lehrgängen in Plauen lernen wir nochmals andere Dinge kennen, als wir in der Fachrichtung bei Bauerfeind in Zeulenroda haben. Hier nähen wir Kompressionsstrümpfe für Bein, Fuß und Arm oder fertigen Bandagen an. In den verschiedenen Lehrgängen wird uns gezeigt, wie man einen Kragen einer Bluse annäht oder überhaupt, wie man Stoffe weiterverarbeitet. Der Textilschneider an sich spezialisiert sich auf Bekleidung, sodass man später rund um die Textilindustrie arbeiten kann – das ist jedoch eine Weiterbildung nach der Ausbildung. In der Grundausbildung durchlaufe ich viele Bereiche wie Maßabteilungen, hier besonders die Strumpfherstellung oder die Herstellung von Kniebandagen.

Was interessiert dich am meisten?

Die Arbeit an sich ist sehr abwechslungsreich im Unternehmen, und man lernt immer was Neues. Es reizt mich, vielseitig zu arbeiten. Mit Tricks und vielen Tipps des Teams lerne ich auch jeden Tag, wie ich besser nähen kann. Die Materialien, die wir hier haben, sind bei den Strumpfhosen sehr fein und trotzdem unterstützen sie Menschen, wenn diese einen Unfall hatten, um besser zu genesen.

Wie sieht deine Abschlussprüfung aus?

Die Theorie rund um Bekleidung wird abgefragt, beispielsweise woraus Baumwolle besteht, wie sie eingesetzt wird und welche Eigenschaften sie hat. In der praktischen Prüfung werde ich Produkte nähen und herstellen – soviel ich weiß, werde ich eine Schulterbandage nähen.

Wie hat dich die Ausbildung beeinflusst?

Ich habe mir schnell eine Nähmaschine und Stoffe zugelegt, sodass ich mir selber Klamotten schneidern kann – mein letztes Projekt war eine Hose, die ich im Sommer tragen möchte. Klar, für die Familie bin ich jetzt zu einer ‘Schneiderin des Vertrauens‘ geworden, aber das macht mich schon stolz, dass ich das auch kann. In meiner Ausbildung lerne ich viele Grundlagen und dadurch fällt es mir viel leichter, mich in der Bekleidungsrichtung eigenständig weiterzubilden oder anhand Tutorials Sachen herzustellen, nachzunähen oder selbst zu experimentieren.

Wie heimatverbunden bist du?

Ich wollte unbedingt in Thüringen die Ausbildung machen und da war mein Ausbildungsbetrieb die erste Wahl. Von hier aus kann ich gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln alles erreichen und ich habe meine Familie um mich herum. (ba)

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